(Recordjet)

Das Albumformat ist tot, es lebe das Albumformat. BURKINI BEACH aka Rudi Maier veröffentlicht sein erstes Solo-Album "Supersadness intl.", und zwar in ganz besonderer Form, nämlich als Buch.

Wer die Lust am CD kaufen verloren hat und sich bereits fragt, ob er überhaupt noch seine Musik- Sammlung erweitern sollte, der bekommt mit dem Debüt von BURKINI BEACH etwas wirklich besonderes angeboten. Das Album erscheint nämlich nicht auf CD oder LP, sondern als 48-seitiges Hardcover-Buch mit Artworks, Lyrics und ausführlichen Linernotes.

Das fantastische bei BURKINI BEACH ist jedoch, dass nicht nur das Format Freude bereitet, sondern auch der Inhalt. Denn "Supersadness intl." ist ein solch schönes und zerbrechliches Songwriteralbum, welches ausschließlich aus Anspieltipps besteht. Und das, obwohl manche Songs schon ein paar Jahre reifen mussten, bis sie den Weg in dieses Album/Buch gefunden haben.

Doch wer steckt eigentlich hinter diesem etwas seltsam anmutenden Bandnamen. Es handelt sich hier um Rudi Maier, welcher dem ein oder anderen vielleicht durch seine Indie-Punkband The Dope ein Begriff sein dürfte. BURKINI BEACH ist seine One-man Show, welche lediglich von Simon „Tomte“ Frontzek an den Tasten und im Mix unterstützt wurde. Und das Ergebnis kann sich mehr als hören lassen. Bereits beim ersten Durchlauf von "Supersadness intl." kam mir eine Referenzliste in den Sinn, die ihresgleichen sucht. Bright Eyes, Maritime, Sufjan Stevens, Iron&Wine, Death Cab oder auch Beck melden sich in meinem Hinterstübchen, als ich die Klänge von BURKINI BEACH das erste Mal vernehme.

Der Leistreter 'Kitchen Sink' markiert den wundervollen Start ins Album. Der musikalische Roadtrip 'Luxembourg' nimmt den Hörer anschließend liebevoll an die Hand und reist gedanklich durch eine Welt voller Melancholie und Fernweh. Ein Sound wie eine Sommerbrise, welche sich dann auch lyrisch in 'Small Talks' platziert. 'Your Weirdness & My Eloquence' würde ungeprüft als einer der besseren Maritime-Tracks durchgehen, und das obwohl Maritime bisher ja konsequent auf schlechte Tracks verzichten.

Und wo bei vielen hochgelobten Newcomerbands zur Albummitte die Qualität sinkt, gelingt es BURKINI BEACH hingegen, mit dem Dreierpack 'Bodyguards', 'The World At Our Fingertips' und 'Jungle Book', die Messlatte noch mal ein paar Zentimeter höher zu legen. Am besten gleich mal in den charmanten - by Bright Eyes inspired - Track 'The World At Our Fingertips' hineinlauschen:

Der doch recht lange Entstehungsprozess des gesamten Albums dürfte, wenn man jetzt den Blick auf den Gesamtoutput und die Vielfalt des Albums richtet, von großem Vorteil gewesen sein. Gut Ding will schließlich Weile haben. Somit ein Album, welches über das oft zitierte Fingerspitzengefühl verfügt. Durch die Eigenproduktion wirken die Songs in keinster Weise überproduziert oder überarrangiert. Wer sich zwischen den ganzen Hau-Drauf-Bands bei Gestromt mal eine kleine Auszeit gönnen möchte, der macht mit den melodiebeseelten Tracks von BURKINI BEACH nicht viel verkehrt.

Album-VÖ: 19.05.2017