(Sharptone Records/ Nuclear Records/ Warner)

Dass es Metalcore wie Sand am Meer gibt, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Entsprechend habe ich auch die Übersicht verloren, das wievielte MISS MAY I – Album "Shadows Inside" ist, das ich zum rezensieren vorliegen habe. Insgesamt sprechen wir jedenfalls vom fünften Studioalbum (6. - Anm. der Redaktion 🙂) Wenn eine Band sich so lange in dieser Szene halten kann, ist das meist ein gewisser Garant für Eingängigkeit, irgendein Herausstellungsmerkmal und insgesamt halt damit einem - nämlich Qualität jenseits der Massen. Ob die Herren das Niveau auch mit "Shadows Inside" halten können, erfahrt ihr hier bei uns.

Was mir recht schnell aufgeht: Entgegen meiner Erwartungshaltung ist die Scheibe weniger-Pop-lastig, sondern überrascht mit recht „metallischen“ Strukturen und Ideen. Wäre da nicht dieser klassische Wechsel zwischen Growls, Crewshouts und dem obligatorischen Cleangesang für die Sonnenaufgangs-Refrains, könnte man fast meinen, ein Metalalbum zu hören. Dabei wirken die Gitarren insgesamt aber sehr steril, die Riffs wollen keinen richtigen Fluss erzeugen, so als wäre das alles nur zusammengestückelt (und möglicherweise ist genau das auch das Problem, dass hier im Studio zu viel gestückelt wurde).

So sehr ich mich also von der Ausrichtung begeistern lassen will, so richtig will der Funke nicht überspringen. Frontmann Levi Benton gibt sich zwar alle Mühe, zu überzeugen, aber so richtig kraftvoll will das nicht wirken, dafür ist er mir einfach zu heiser.

Ein großer Pluspunkt für das Album ist der Abwechslungsreichtum, der hier gezeigt wird. Damit dürfte eigentlich für jeden was dabei sein, und jeder findet bestimmt seinen persönlichen Lieblingssong auf der Platte. Dadurch wird es aber auch ungemein schwer, eine klare Linie zu erkennen und einen Anspieltipp auszusprechen.

MISS MAY I liefern mit "Shadows Inside" eine Platte ab, die sowohl Höhen als auch Tiefen vorzuweisen hat, weiter weg vom üblichen Metalcore als gedacht, aber für meinen Geschmack nicht konsequent genug abgesetzt. Mit etwas mehr Mut zur Lücke wäre hier zumindest in meinen Augen mehr drin gewesen. Die klanglichen Schwierigkeiten, die ich hatte, wurden bereits beschrieben, und unterm Strich macht das für mich ein solides, aber nicht sonderlich bemerkenswertes Album.

 
Miss-May-I-2017-by-Jonathan-Weiner

Miss May I 2017 by Jonathan Weiner

Dafür verteile ich gut gemeinte 4 Blitze und hoffe, dass beim nächsten Album noch mehr ein eigener Weg gegangen wird und nicht der vollständig ausgetretene Pfad wieder und wieder aufgesucht wird!

Album-VÖ: 02.06.2017