(Hellcat Records/ Epitaph Records/ Indigo)

Mit einem lupenreinen Oldschool-Punk-Knaller, der sogar etwas Hardcore atmet, startet das neunte Studioalbum von den Berkeley-Punks RANCID. 'Track Fast' macht in 59 Sekunden sofort klar, was einen bei "Trouble Maker" erwarten kann. Die Mannen um die Egozentriker Tim Armstrong und Lars Frederiksen sind einer gewissen Abwechslung verpflichtet und wollen definitiv nicht mit dem immer gleichen Songstrukturen langweilen. Deswegen gibt es manchmal wahre Schätze zu entdecken, die zwar nicht die Hitqualitäten des Durchbruchsalbum "...And Out Come The Wolves" besitzen, aber eine songwriterische Komponente mitbringen, die gleichermaßen für Begeisterung und Erstaunen sorgen kann.

Und das alle Mitglieder musikalische Ausnahmetalente sind, ist nach 25 Jahren Bandgeschichte auch kein Geheimnis mehr. Am beeindruckendsten natürlich immer wieder das Bass-Spiel eines Matt Freeman.

'Ghost Of A Chance' wurde ja schon im Vorfeld veröffentlicht - der Up-Tempo-Schunkler, der mit dem versoffenen Gesangsstil eines Herrn Armstrong die Weichen stellt, steht exemplarisch für die 19 Songs auf "Trouble Maker". Das ebenfalls bekannte 'Telegraph Avenue' stoppt den Geschwindigkeitszug und verplempert etwas uninspiriert Zeit - einzig die Gitarrenmelodie und die Background-Chöre schaffen es, den Song aus der kompletten Bedeutungslosigkeit zu reissen.

Rancid scheinen sich vorgenommen haben, auf "Trouble Maker" dem traditionellen Punkrock (der von der Strasse kommt) Tribut zu zollen - entlastende Songs, die zum skanken einladen (außer vielleicht 'Where I'm Going'), sucht man diesmal vergebens - das neue Album steht in einer Reihe mit dem unterbewerteten selbstbetitetelten 2000er-Werk, welches auch ohne Kompromisse nach vorne gegangen ist und mit roher Energie verblüffte.

"Trouble Maker" ist kein mildes Alterswerk von satten Punkrock-Millionären, sondern wütend, drängend und auf Erwartungshaltungen scheissend. Wer Songs wie 'All American Neighborhood', 'Make It Out Alive' oder ein rock 'n rolliges 'Beauty Of The Pool Hall' quasi im Minutentakt abfeuert, hat damit zu rechnen, dass bei 19 Tracks der Eindruck von Filler-Songs entstehen kann. Aber jeder RANCID-Fan einer jeden Dekade wird seine Song-Lieblinge anders definieren.

Die von Lars Frederiksen geschriebenen Songs tragen ein gewisses Oi!-Feeling in sich (was er ja auch ausgiebig bei seinem Projekt Old Firm Casuals auslebt), die Tim Armstrong-Lieder bauen eher auf Melodien und "Fuck You"-Attitüde auf. Abwechslung ist auf "TRouble Maker" also vorhanden, sollte aber in kleinen Dosen genossen werden, um einer Überdosis zu entgehen.

Rancid_Photo_by_Anthony_Marchitiello

Rancid Photo by Anthony Marchitiello

RANCID haben die Lust am komponieren wiedergefunden, lassen sich weiterhin nicht verbiegen und zementieren ihren Ruf mit "Trouble Maker". Es ist kein Meisterwerk geworden, aber zumindest das authentischste Punkrock-Album in der ersten Jahreshälfte.

Album-VÖ: 09.06.2017