(Kscope/ Edel)

Unter normalen Umständen wäre diese Review wahrscheinlich nicht entstanden. Normalerweise würde ich nämlich keine Vorab-Streams rezensieren wollen und hätte einen Bogen darum gemacht. Im Fall von ANATHEMAs neuem Album "The Optimist" will ich aber eine Ausnahme machen, denn von dieser Band war ich von Stunde Null angetan, und auch die unglaubliche Weiterentwicklung, die die Band hinter sich gebracht hat, habe ich stets positiv empfunden. Einst irgendwo zwischen Doom und Death angesiedelt, ist "The Optimist" sogar so sehr Mainstream-tauglich, dass das Album im NDR zum Album der Woche gekürt wurde. Grund, sich Sorgen zu machen? Ganz ehrlich: Nein!

Ich weiß nicht, wer das mal gesagt hat, aber die Aussage war in etwa „Musik muss entweder in den Arsch treten oder die Seele berühren!“ "The Optimist" ist, wie schon zu erwarten war, kein Arschtritt. Meine Seele wird auch nicht berührt. Sie wird mir aus dem Leib gerissen, aufgewühlt, sanft gestreichelt, achtlos in die Ecke geworfen, wieder zärtlich aufgehoben und ganz sachte wieder eingesetzt. Wahnsinn, was die Briten da anstellen. Ambient/ Alternative-Rock der Superlative! Wenn ihr dieses Album hört, begebt ihr euch auf eine Reise, und dieses Gefühl kommt nicht ohne Grund. Mit "The Optimist" geht ANATHEMA zurück zu ihrem Album "A Fine Day To Exit". Hier endete alles mit dem Verschwinden der Hauptperson aus diesem Konzeptalbum. Mit dem Intro '32.63N 117.14W' bezeichnet die Band Längen- und Breitengrade der Stelle, wo der Optimist zuletzt gesehen wurde. Auf dem neuen Album erfahren wir nun, wie es mit ihm weiterging, nach seinem Verschwinden.

Anathema_Photo_by_Caroline_Traitler

Anathema Photo by Caroline Traitler

Noch ein paar Randfakten? Gerne. Für das Artwork hat man sich erneut an Travis Smith gewendet, der (welch Überraschung) auch für das Artwork bei "A Fine Day To Exit" verantwortlich war. Das Album selbst wurde live eingespielt, denn Produzent Tony Doogan wollte unbedingt diese ganz spezielle Energie einer Live-Aufnahme einfangen. Das Ergebnis spricht zweifelsohne für sich!

Für die Klang-Nerds unter euch hat sich ANATHEMA einiges einfallen lassen. Angefangen beim simplen digitalen Download, über schweres Vinyl, normale CDs, einer Blu-Ray, die neben der CD-Fassung noch einen 5.1 Surround-Mix bietet, einer Doppel-Disk mit DVD, bis hin zum 12'' Hardbook mit so viel Schnickschnack, dass man es alles gar nicht aufzählen kann.

Eigentlich dachte ich, dass die Band langsam keine Möglichkeiten mehr hat, emotional noch mal eine Schippe drauf zu legen, aber erneut belehrt mich ANATHEMA eines Besseren.
Ich kann, darf und will nur ein Gesamturteil abgeben: Zeus-mäßiges Megagewitter!

Album-VÖ: 09.06.2017