(Victory Records/ Soulfood)

2 Jahre nach ihrem Debüt "Old Bones" melden sich die Pop-Punker von BROADSIDE mit neuem Album zurück. Dieses hört auf den Namen "Paradise" und soll den erspielten Ruf als ernstzunehmende Newcomer-Band festigen.

Wobei das Projekt im Grunde jetzt schon ziemlich witzlos ist, da die beiden Gründungsmitglieder Andrew Dunton und Josh Glupker nicht mehr an Bord sind, der Rest der Mannschaft eh zusammengecastet wurde und Sänger Olli Baxxter scheinbar den Namen BROADSIDE weiterführen darf. Dass das neue Album zudem auf dem unsympathischen Label Victory Records erscheint, macht das Ganze schon im Vorfeld der Besprechung zu einer schwierigen Angelegenheit. Aber versuchen wir, die Musik für sich sprechen zu lassen.

Zuerst einmal kann man konstatieren, dass BROADSIDE eine fette Produktion im Rücken haben, die glasklar und sehr differenziert die einzelnen Parts zu einer geschlossenen Einheit zusammengebaut hat - was man gut finden kann, aber auch wie am Reißbrett konzipiert wirkt.

Die helle Singstimme von Olli Baxxter ist im ersten Moment sehr gewöhnungsbedürftig und kann sogar abschreckend wirken. 'Hidden Colors' und der Titeltrack zeigen ein Quartett, welches handwerklich sehr versiert agiert und genau weiß, was die Zielgruppe erwartet. Kompositorisch keine Meilensteine, aber mit viel Elan vorgetragen. Wer sich allerdings schon länger als fünf Minuten mit der PopPunk-Marterie auseinander gesetzt hat, wird kopfschüttelnd zusammenzucken, ob der klischeebehafteten Song-Strukuren. Hiermit wird jedenfalls keine Katze hinter dem Sofa vorgelockt.

Auch 'Lose Your Way' und 'Disconnect' sind keine schlechten Songs, aber mehr als nett leider auch nicht - und die Beschreibung "nett" gleicht im Musik-Biz einem Todesstoß.

Und austauschbar geht's weiter, nur die Songtitel wechseln ('Laps Around A Picture Frame', 'Who Cares') - bei 'Tunnel Vision' fühlt man sich zumindest positiv an alte Fall Out Boy erinnert, 'Summer Staind' plätschert dagegen sehr pop-affin vor sich hin - den Höhepunkt sucht man vergeblich.

Und wenn zum Ende die Ukele-Ballade 'I Love You I Love You It's Disgusting' verklungen ist, ist man fast erleichert, dass "Paradise" zuende ist. Warum dieses Album von einigen amerikanischen Genre-Gazetten so sehnsüchtig erwartet worden ist, erschliesst sich mir null.

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Broadside Photo courtesy of Victory Records

"Paradise" ist das klangliche Paradebeispiel, dass der amerikanische PopPunk am Boden liegt und sich den innovativen Bands aus UK (Trash Boat, Neck Deep, Handguns, Moose Blood) geschlagen geben muss. BROADSIDE zeigen mitunter gute Ansätze, können die Ideen aber nicht konsequent umsetzen. Somit bleibt ein Album übrig, welches Sekunden nach dem ersten Höreindruck schon wieder vergessen ist.

Album-VÖ: 16.06.2017