(Run For Cover Records/ Ada/ Warner)

EmoPunk is dead? CAPTAIN, WE'RE SINKING wollen mit ihrem dritten Album "The King Of No Man" das Gegenteil beweisen. Aus Scranton, Pennsylvania stammend, ist die Verbundeneit zu Bands wie Tigers Jaw und The Menzingers zwangsläufig gegeben, da auch diese aus der verschlafenen Kleinstadt kommen und teilweise verwandtschaftliche Verhältnisse zueinander bestehen. Das kann man böswilig inzestuös schimpfen oder aber den Hut ziehen vor soviel musikalischer Kreativität, die fair verteilt wurde. Den genannten Bands wurde ein songwriterisches Potential in die Wiege gelegt, welches den emotionalen Part nicht außer acht lässt, aber so sehr im Punkrock verwurzelt ist, dass die Energie sich frei entfalten kann.

Der Starter 'Trying Year' ist ein perfektes Beispiel wie CAPTAIN, WE'RE SINKING Emo 2017 interpretieren. Der Fokus liegt auf dem gesamten Song und wurde nicht um einen lapidaren Chorus herumgebaut. Die Gitarren untermalen teils dissonant, ohne notwendige Melodien zu vergessen. Und die vertrackt wirkende Rhythmusfraktion unterstützt Sänger Bob Barnett (Bruder von The Menzingers-Sänger Greg), der mit einer Inbrunst singt, als ob sein Leben davon abhinge.

So zieht sich das auch konsequent durch "The King Of No Man". Es ist für den ungeübten Hörer schwierig sofort Zugang zu finden, da sich die Höhepunkte innerhalb der Kompositionen verstecken und Refrains, an denen man sich entlanghangeln könnte, rar gesät sind. Die Songs von CAPTAIN, WE'RE SINKING wollen und sollen entdeckt werden. Wenn man die nötige Geduld aufbringt, wird man mit Knallern wie 'Cannonless', 'Dance Of Joy' oder dem Titeltrack belohnt.

Mich erinnert die Herangehensweise an Bands wie The Promise Ring oder Hey Mercedes, die ab Mitte der 90er für staunende Gesichter gesorgt haben, weil es so einfach erschien, komplexe Songs zu emotionalen Parforce-Ritten umzufunktionieren.

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Captain Were Sinking Photo courtesy of Run For Cover Records

"The King Of No Man" ist das Album, an dem sich in diesem Jahr alle Bands messen lassen müssen, die die Idee mit sich herumtragen, ebenfalls ein referenzielles Midwestern-Emo-Album zu schreiben. Der Mainstream wird sich weiterhin nicht für CAPTAIN, WE'RE SINKING interessieren, dafür liefert das Quartett zu speziell ab. Und das ist auch gut so.

Album-VÖ: 23.06.2017