(Roadrunner/ Warner Music)

Eines der meist erwarteten Alben des Jahres? STONE SOUR kann man definitiv in diese Kategorie stecken. Vier bzw. fünf Jahre nach dem Konzept-Doppelalbum "House Of Gold & Bones Part 1/Part 2", haben die Mannen um Mastermind Corey Taylor ihre geballte Kreativität sprudeln lassen und können nun mit dem Endergebnis "Hydrograd" aufwarten.

Das mittlerweile sechste Studioalbum bietet 15 Songs und hat seit Ankündigung der Fertigstellung alle Genre-Liebhaber von Alternative-Rock bis Metal ganz wuschig gemacht. Dass Herr Taylor auch noch Frontmann einer nicht gänzlich unbekannten (fast schon kultisch verehrten) Metal-Band namens Slipknot ist, dürfte allseits bekannt sein. Er schafft seit fast 20 Jahren den perfekten Spagat zwischen rabiaten Maskenmann und ernstzunehmenden Sänger.

Aber was kann denn nun "Hydrograd"? Ist es der Meilenstein, den alle erwarten? Können STONE SOUR Akzente setzen, um sich aus dem Heavy-Rock-Einheitsbrei freizuschwimmen?

Ich bin nie ein Freund von Intros gewesen und auch 'YSIF' bestätigt mich nur darin, dass es kaum etwas Überflüssigeres gibt, als einen künstlichen Spannungsaufbau, der noch nicht mal sonderlich kreativ ist. Geschenkt - geskippt.

Mit 'Taipei Person - Allah Tea' geht es offiziell los und das Anfangsriff holt einen sofort ab - wenn dann die zweite Gitarre einsetzt und Corey Taylor schon im ersten Song sein gesamtes Stimmvolumen dem Song zur Verfügung stellt, ist man gepackt und begeistert. Durch die klug gesetzten Back-Ups im Refrain entwickelt der Track eine enorme Hitqualität. Ein feines Metal-Soli wird auch noch eingestreut, so dass man sich erstmal das Haarteil richten muss, um sich mit den restlichen Songs auf "Hydrograd" beschäftigen zu können.

'Knievel Has Landed' hat dann teilweise die typischen Slipknot-Vocal-Trademarks im Gepäck, die in Verbindung mit dem cleanen Gesangsparts eine Symbiose ergeben, die STONE SOUR einen hohen Wiederekennungswert geben. Das Händchen für klasse Melodien und einer gewissen Catchyness dürfte auch dazu beitragen, dass sich Fans vor Freude ins Höschen machen werden - vor allem da noch etliche Songs nach dem Schema den Weg auf "Hydrograd" gefunden haben ('Fabuless', 'Somebody Stole My Eyes' oder 'Whiplash Pants' z.B.).

Der Fünfer ist aber ebenso bekannt dafür, herzzerreissende Balladen schreiben zu können, die einen gewissen Anspruch in sich tragen und es vermeiden wollen, dass Feuerzeuge, Wunderkerzen oder wahlweise Handy-Displays in die Höhe gehalten werden. Davon gibt es auch zwei Versuche auf 'Hydrograd' ('When The Fever Broke' & 'St. Marie'), die aber leider bei weitem nicht die songwriterische Qualität der Rocksongs erreichen und wie Füllmaterial wirken.

STONE SOUR beweisen ihre Ausnahmestellung im Alternative/Heavy-Rock immer dann am konsequentesten, wenn kompakte Songstrukturen auf energiegeladene Gitarrenattacken treffen und die wuchtige Rhythmusfraktion die Komposition nach vorne Richtung Höhepunkt treibt. In Verbindung mit der einnehmenden Stimme eines Mr. Taylors, kann sich der Zuhörer auf Schmankerl der Marke 'Song #3', 'Thank God It's Over' oder 'Mercy' freuen. Manchmal kommt mir die Assoziation Alter Bridge in den Sinn.

Stone_Sour_Photo_by_Travis_Shinn

Stone Sour Photo by Travis Shinn

"Hydrograd" ist vielleicht nicht der große Wurf, den viele erwartet haben - dafür sind die Songs bisweilen zu wenig originell. Dennoch darf man konstatieren, dass es STONE SOUR verstehen, hingebungsvolles Liedgut zu komponieren, welches zwar wenig innovativ ist, aber alle Fans zufriedenstellen und begeistern wird. Zudem sind Innovationen auch nur bedingt ein Garant für außergewöhnliche Meisterwerke. Von daher: Alles richtig gemacht, STONE SOUR!

Album-VÖ: 30.06.2017