(Lockjaw Records)

Kennt noch jemand die Band Tribute To Nothing, die mit ihrem einzigartigen Stil aus Post-Hardcore, Punk und Alternative-Rock-Anleihen Ende der 90er/Anfang der 2000er in der Szene für Furore sorgten? Neben absolut berauschenden Liveauftritten war die Herangehensweise damals schon einzigartig und konnte auch auf Platte überzeugen. Die Band hat den DIY-Gedanken gelebt und auch ein Label gegründet, um unabhängig zu bleiben. Lockjaw Records ward geboren und so schließt sich der Kreis zu FIGHTS & FIRES. Zum Einen, weil FIGHTS & FIRES auf Lockjaw Records ihre Heimat gefunden haben, zum Anderen, weil ihr Musikstil in die gleiche Kerbe wie Tribute To Nothing haut und sie drittens wie ihre Kollegen aus Worcester stammen.

"Live Life Like A Tourist" ist mit seinen acht Songs ein Zwischending aus EP und einem vollständigen Album - im Grunde aber die richtige Entscheidung als Band nur das Material zu veröffentlichen, hinter dem man 100%ig steht, anstatt den Tonträger mit unnötigen Füllern aufzupumpen.

Mit 'Blanquettes Avenue' beginnt das Album schon sehr vereinnahmend und hat den Zuhörer sofort im Griff. Der rockende Hardcore schiebt mit einem schönen Punk-Vibe nach vorne und erinnert an eine Mischung aus The Bronx, Clowns und John Coffey.

Der dunkle und kratzende Gesang ist ein Trademark, der FIGHTS & FIRES einen hohen Wiedererkennungswert mitgibt. Das würde bloß nichts nützen, wenn die Songs belanglos wären - aber auch hier beweist der Vierer durchaus Geschick und Abwechslungsreichtum. Während 'Church Bells' ähnlich wie der Opener tönt, wird bei 'Awkward' das Tempo angezogen - sich überlappende Gitarrenlinien finden im Laufe des Tracks zueinander und erlauben sich schlußendlich, melodisch zu klingen.

Bei den folgenden Tracks 'Camping' und 'Hard To Dream' komme ich nicht umhin, an die Gainesville-Emo-PostCore-Rocker von Gunmoll zu denken - eine Reibeisen-Stimme, die emotional klingen kann, unterstützt durch eine dichte Instrumentierung, die den Song atmen lässt und gerade deswegen immens kompakt wirkt.

Wenn dann auch noch 'Take A Swing At The World' und 'Kibosh' verklungen sind, fühlt man sich bestätigt, dass es FIGHTS & FIRES durchaus schaffen könnten, Fans oben genannter Referenzen zu überzeugen - zu wünschen wäre es ihnen zumindest, da in den paar Songs soviel Herzblut transportiert wird, dass es für zwei Leben reicht.

Einziger Wermutstropfen ist das komplett überflüssige Drama 'Ouija Board' am Ende von "Live Life Like A Tourist", welches zwischen Akustik-Versuch und Jam angesiedelt ist und wie eine versehentliche Aufnahme aus dem Proberaum klingt.

Fights_And_Fires_Photo_courtesy_of_Lockjaw_Records

Fights And Fires Photo courtesy of Lockjaw Records

FIGHT & FIRES scheinen sympathische Burschen zu sein, die mit ihrem neuesten Output "Live Life Like A Tourist" die perfekte Schnittstelle aus rauen Punkrock mit Hardcore-Kante und Rock 'n Roll getroffen haben. Macht Spass und berührt.

Album-VÖ: 14.07.2017