Auch die dritte Ausgabe des Bielefelder Campus Festivals kann man als „äußerst gelungen“ zusammenfassen. Sehr schön, denn damit haben die Veranstalter von VIBRA und Bielefeld Marketing einen soliden Hattrick abgeliefert und man darf wohl jetzt schon gespannt sein, welche hochkarätigen Bands man im Jahre 2018 auf den Bielefelder Campus locken kann.

Doch richten wir zunächst den Blick auf die diesjährige Ausgabe. Im Vorfeld wurden natürlich auch in Bielefeld die Sicherheitsbestimmungen stark verschärft, welches sich in einem Taschen und Rucksackverbot bemerkbar machte. Auch die Anzahl an Sicherheitskräften und Polizisten erschien mir außerordentlich hoch, was aber keinesfalls auf die Stimmung drückte. Und auch das Damoklesschwert „Unwetter“ schwebte fast den ganzen Tag über der Veranstaltung, welches dann allerdings nicht kam. Die wenigen Regentropfen wurden gut gelaunt weggetanzt und für den Fall der Fälle hätte man auch noch einen Evakuierungsplan in der Tasche gehabt.

Erfreulich ist nicht nur, dass die Zuschauerzahlen bei diesem Festival ständig ansteigen, sondern dass sich auch das Geländesituation immer weiter entwickelt. Neben den drei regulären Musik-Bühnen und der Party/DJ Area, kam in diesem Jahr auch erstmals eine vierte Bühne im Biergarten zum Einsatz. Hier fanden sich vor allem Singer/Songwriter, Poetryslammer oder soziale Projekte. Eine sehr stimmige Ergänzung. Auch die Sitzmöglichkeiten und die sanitäre Situation wurde im Vergleich zu den Vorjahren ausgeweitet. Dafür gibt es von uns schon mal THUMBS UP!

Musikalisch starteten wir mit THE LYTICS in den Festivaltag. Bereits beim Popsalon 2016 wurde die Band als ein Geheimtipp von uns auserkoren. Das hierbei der Fokus wohl immer noch auf „Geheim“ liegt, zeigte sich an der äußerst überschaubaren Menge an Leuten, welche den Weg zur zweiten Bühne gefunden hatten. Und irgendwie zündete der Hip Hop der Jungs aus Kanada an diesem Sonnennachmittag leider so gar nicht. Nun gut, das hier war lediglich Aufwärmen. Und ebenfalls zur Erwärmung geriet im Anschluss MANUAL KANT. Die Punkrock Band aus Landshut kam, im Gegensatz zu ihren bissigen Texten, erstaunlich zahm daher. Vielleicht lag aber auch dies an der allgegenwärtigen Hitze auf dem Campus bei Temperaturen von weit über 30 Grad. Nun gut, für viele Besucher wird dies die erste Begegnung mit der Band gewesen sein, den ein oder anderen Fan werden sie sicherlich hinzu gewonnen haben.

Auf der zweiten Bühne ging es im Anschluss weiter mit unseren Buddies von LEONIDEN. Wundert eigentlich niemanden, denn die Band aus Kiel spielt dieses Jahr alle (!!!) deutschen Festivals die es gibt. Für Sänger Jakob bedeutete der Auftritt beim Campus Festival zudem eine Rückkehr in die Vergangenheit. Ein Semester Ostwestfalen steht nämlich auch in seiner Vita. Die Band überzeugte in einem kurzen und knackigen dreißig Minuten Set, welches vom Publikum wohlwollend aufgenommen und meist höflich beklatscht wurde. Bei den Hits '1990' und 'Nevermind' zeigten sich dann auch die ersten Textkenner unter den Studenten.

Der erneute Platzwechsel brachte uns wieder vor die Hauptbühne, wo inzwischen ITCHY eine ihrer ersten Shows unter neuem Namen spielten. Der Platz im Bereich des ersten Wellenbrechers wurde nun auch voller und erste Pogos trotzten den immer noch verdammt heißen Tempraturen. Bis auf den „neuen“ Namen ist bei der Band aus Eislingen eigentlich alles gleich geblieben. Sympathisch wie eh und jäh, tanzbarer Pop-Punk, Surfeinlage auf dem Gitarrenkoffer, ein 'It's Tricky'-Cover im Gepäck. ITCHY haben wie gewohnt geliefert. Und das es die Band inzwischen 17 (!!!) Jahre gibt, kann ich bis heute nicht glauben. Als Sibbi und Panzer ihre ersten Konzerte spielten, war Charlotte Rezbach, die alle Lotte nennen, gerade mal vier Jahre alt. Nun steht LOTTE nur ein paar Meter entfernt, nach ITCHYs Auftritt, auf der Second Stage und spielt Bosse-mäßigen Deutschpop. Die Ravensburger Songschreiberin spielte in jüngerer Vergangenheit als Support für BENNE, Johannes Oerding oder Max Giesinger. Den Sound kann man sich dann wohl vorstellen, die junge Frau wirkt aber dennoch recht sympathisch und verdient sich ein respektvolles Publikum unter den feierwütigen Studenten.

Im Anschluss spielt dann wohl jene Band, die so gut wie keine andere auf ein Campus-Festival passt. Die ANTILOPEN GANG ist zurück in Bielefeld und sorgt für Anarchie und Pogo auf dem Campus. Die ersten beiden Tracks gibt es lediglich mit DJ Begleitung, was uns zunächst leicht enttäuschte. Aber ab dem dritten Song kam die Band auf die Bühne und sorgte für einen wahrlichen Abriss. Erstaunlich und erfreulich dabei, die ANTILOPEN GANG hat nach nur zwei offiziellen Alben bereits so viele Hits im Set, dass man sich jetzt bereits fragen muss, wo das noch hinführen wird. Wir attestieren jedenfalls, die ANTILOPEN haben den Punk zurück in den Hip Hop gebracht.

Die Show von AUDIO 88 & YASSIN nutzen wir um einmal durchzuschnaufen. Und auch JORIS auf der Hauptbühne gehört definitiv nicht zu den Gründen, die einen Gestromt-Redakteur zu solch einer Veranstaltung locken. Aus zweiter Reihe müssen wir dem jungen Musiker und seiner Band allerdings eine komplett gelungene Show zugestehen. Das Zusammenspiel der Band klappt, Interaktion mit dem Publikum passt, einige Hits im Koffer und der Special-Effect zwei Mal im Set für einen fünfminütigen Regenschauer an den genau passenden Stellen zu sorgen, muss dem Sänger erst mal jemand nachmachen.

Als ADAM ANGST auf der zweiten Bühne dann erste neue Songs des kommenden Albums präsentiert, ist es glücklicherweise wieder trocken und die Meute feierbereit. Pogo, Pogo, Pogo...da stört auch der Baum rechts vor der Bühne nicht mehr. Die Punktracks und politischen Texte von ADAM ANGST treffen an einer Universität natürlich auf offene Arme und Ohren. Dementsprechend lange und intensiv wird der Musiker und seine Band vom Publikum gefeiert. Zum Glück steht im Anschluss ein Lokalmatador als Main-Act parat. Jeder andere hätte es jetzt schwer. Aber auch für CASPER ist der Gig auf dem Bielefelder Campus eine Rückkehr in die eigene Vergangenheit. Die Show dient als Probe für die beiden Headliner-Gigs auf dem Hurricane und Southside Festival an diesem Wochenende, vor nur 19.000 Leuten kann man ja mal was ausprobieren. Und was soll man sagen, die Show glich einem Triumph. Das Set war stimmig, Band und Publikum unfassbar gut drauf. Neue Tracks zündeten sofort, alte Tracks wurden entsprechend abgefeiert. Im Vergleich zur Hinterland-Ära kommt die ganze Show etwas reduzierter daher, aber nicht weniger intensiv. Macht Laune und in jedem Fall Bock aufs neue Album.

CAMPUS-FESTIVAL Bielefeld, bitte nicht stehenbleiben. Entwickel dich Jahr für Jahr genauso weiter, dann könnte das eine lange Beziehung zwischen uns werden.