(Mascot Records/ Rough Trade)

SHAMAN'S HARVEST, eine Rockband aus dem mittleren Westen der USA (genauer: Jefferson City, Missouri). So weit, so unspektakulär. Dass "Red Hands Black Deeds" das mittlerweile sechste Studioalbum ist, lässt zumindest aufhorchen. Auch die Erfolge in ihrem Heimatland, die sich zwar nur bedingt auf den europäischen Markt transferieren lassen, aber trotzdem beeindrucken, sorgen für Erstaunen. Wie man der Promo-Info entnehmen darf, sind SHAMAN'S HARVEST auch eher ernsthafter und sozialkritischer unterwegs, als die durchschnittliche Heavy-Rock-Band. Aufgrund einer zwangsläufigen Pause wegen der Krebserkrankung und notwendigen Genesung des Sängers, als auch den äußeren Umständen (Präsidentschaftswahl), ist das aktuelle Album ein Statement im persönlichen und politischen Bereich.

Der Titeltrack ist gleichzeitig Opener und Interlude - also dementsprechend zu vernachlässigen, weil mich uninspiriertes Intro-Gedudel schon zu Anfang eines Albums so sehr nervt, dass mir jegliche Lust auf alles Nachfolgende zu vergehen droht. Da ich aber schlauerweise geskippt habe, beginnt "Red Hands Black Deeds" für mich mit 'Broken Ones'. Sehr grooviger Stomper, der leichte Southern-Metal-Anleihen mitbringt und an Sons Of Texas erinnert. Das nachfolgende 'The Come Up' ist offener, hat aber ebenfalls eine drängende Dynamik, die Richtung Chorus schiebt. Hier offenbart sich erstmals das Können von Sänger Nathan Hunt, der mit seiner dunklen Stimme eine Atmosphäre entstehen lässt, die "normalen" Post-GrungeRock-Bands abgeht.

SHAMAN'S HARVEST atmen natürlich auch den Rhythmus des Bluesrock, der im mittleren Westen zuhause zu sein scheint. Ob nun tanzbar wie 'Off The Tracks' oder ein langsamer Schunkler ('Long Way Home') - der Fünfer erzeugt mit wenigen Mitteln einen Spannungsbogen, dem man Respekt zollen muss, da unnötige Klischees zwar nicht gänzlich umgangen werden (entweder langweilig wie 'A Longer View' oder der überflüssige und ziellos umherirrende Abschluß-Track 'Scavengers'), aber die druckvollen Kompositionen überwiegen und überzeugen.

'The Devil in Our Wake' könnte auch von Black Label Society genauso präsentiert werden, 'Tusk and Bone' beruhigt die Gemengelage und wäre passender als letzter Song von "Red Hands Black Deeds" von Bord gegangen.

Shamans_Harvest_Photo_by_Adrienne_Beacco

Shamans Harvest Photo by Adrienne Beacco

Alles in allem darf man feststellen, dass es SHAMAN'S HARVEST mit "Red Hands Black Deeds" schaffen, dem stagnierenden Genre des Heavy-Rock, interessante Elemente zu entlocken und diese so zu präsentieren, dass man aufmerksam den vertonten Geschichten zuhören möchte. Eine Leistung vor der ich meinen imaginären Hut ziehe.

Album-VÖ: 28.07.2017