(Arising Empire/ Warner)

Mit der Verkürzung des Bandnamens, wird nicht nur klargestellt, dass man sich nun erwachsen fühlt, sondern gleichzeitig wurde der Wechsel zum Major-Label vollzogen. Das bedeutet im Prinzip heutzutage nicht mehr viel - aber dennoch ist es spannend zu hören, wie sich für ITCHY (Poopzkid) die tiefgreifenden Umstellungen in ihrem Bandleben musikalisch auswirken.

"All We Know" ist das mittlerweile siebte Studioalbum, welches seit Bestehen (immerhin schon 17 Jahre) veröffentlicht wird. Was zeigen uns ITCHY darauf? Überwiegt der poppige Punkrock oder werden neue Wege beschritten, wird sich ausprobiert? Werden womöglich alte Fans vor den Kopf gestoßen?

ITCHY nur auf ein Genre festzulegen war auch vor dem Namenswechsel nicht einfach - und gerade der jugendliche Wahnsinn, gepaart mit einer gesunden "Wir machen was wir wollen"-Attitüde, hat die Band schlußendlich aus dem Gros hervorgehoben und ihnen hohe Chartplatzierungen inkl. einer unglaublich treuen Fanbase beschert. Dass die Jungs bisher sehr viel alleine organisiert haben, macht den Erfolg auch sympathisch.

'Stuck With The Devil' eröffnet den bunten Reigen und überrascht mit einem energischen Rock 'n Roll-Vibe der auch von Danko Jones stammen könnte. Für alte ITCHY-Verhältnisse eine ungewohnte Rhythmik, die Bock auf den Rest macht. 'Keep It Real' übernimmt die Neuausrichtung in Bezug auf den neuen Sound und punktet mit einem internationalen Flair. Das ist sauber produzierter Alternative-Rock, der mit einer feinen Punk-Kante spielt und dadurch eine Dynamik aufbauen kann, die es fast schon notwendig macht, "All We Know" weiter zuzuhören.

Obwohl 'Fall Apart' als zweite Auskopplung die Lust auf das Album steigern sollte, finde ich den Song etwas orientierungslos und dahinplätschernd. Nimmt mich in keinster Weise mit und wird zum Glück durch das nachfolgende 'Nothing' vergessen gemacht. Hier trumpft wieder die Frische auf, die das Trio aus Eislingen so auszeichnet.

Ob sich die Jungs in ihrer zweijährigen Kreativpause viel mit dem britischen Indierock beschäftigt hat, bleibt mir natürlich verborgen - wenn man (also: ich)  allerdings an Referenzen von der Insel denken muss, sobald Songs wie 'Black' (Placebo), 'Before You Go' (The Kooks) oder 'Danger!' (The Arctic Monkeys) aus den Boxen tönt, könnte zumindest der genannte Eindruck entstehen. ITCHY sind beileibe keine Coverband, allerdings fehlt mir etwas der musikalische Ansatz, der der Band Eigenständigkeit zugesteht - wobei ich anmerken muss, dass mir aus dem Bauch heraus keine Band aus Deutschland einfällt, die den Britrock so perfekt vereinnahmen kann.

Tracks wie 'Knock Knock', 'We're Coming Back' oder mit Abstrichen der Titelsong zollen dagegen dem energischen Rock Tribut und atmen die beschriebene Punk-Atmosphäre - somit machen ITCHY eigentlich vieles richtig, da durch die präsente Abwechslung, der Spannungsbogen durchgehend aufrechterhalten wird.

 

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Itchy Photo by Ilkay Karakurt

"All We Know" ist vielleicht nicht der Meilenstein geworden, auf den viele gewartet haben - allerdings wurde eine hohe Erwartungshaltung generiert, die schwerlich zu erfüllen gewesen ist. ITCHY haben sich allerdings noch mehr freigeschwommen und sind mittlerweile in einer Liga mit den Beatsteaks und Donots angekommen. Kein Album für die Ewigkeit, aber für eine Dreiviertelstunde Ablenkung perfekt!

Album-VÖ: 21.07.2017