(Hopeless Records/ Soulfood)

NECK DEEP, die Pop-Punk-Speerspitze aus dem Vereinigten Königreich kommt mit einem neuen Album um die Ecke. "The Peace And The Panic" heisst das gute Stück und möchte mit Weiterentwicklung und einem erwachsenen Sound punkten. Ob die Fans dieses Konzept mitgehen werden ist fraglich, weil Die-Hard-PopPunker schwerlich von neuen Elementen überzeugt werden können. Wenn es nicht schwungvoll nach vorne drückt, einen arschvoll Melodien dabei hat und keine Jump-Parts beinhaltet, wird es schwierig zu verkaufen sein.

Man kann es auch das schwere dritte Werk nennen, welches darüber entscheidet, ob man als Band stagniert oder neue strukturelle Dinge ausprobieren möchte, die es einem erlauben ein starres Korsett zu sprengen, in welches man sich selbst hineinmanövriert hat.

NECK DEEP proben den Aufstand ohne allzu viele Fans verschrecken zu wollen - die ersten Tracks auf "The Peace And The Panic" gehen den gewohnten Weg, vielleicht etwas zurückhaltender im Tempo, aber die Trademarks sitzen. Es ist klar, dass man im Genre des PopPunk nicht mehr von Innovation reden kann - jede Notenfolge wurde schonmal gezockt, jede Hookline, jeder Chorus wurde so oder ähnlich von der unzähligen Armada von Bands verbraten. Deswegen gibt es auch keinen großen "Aha"-Effekt, wenn 'Motion Sickness', 'Happy Judgement Day' oder 'The Grand Delusion' aus den Boxen tropfen. Alles bekannt und klischeebehaftet - trotzdem gut gemacht, keine Frage.

Dann folgen Songs wie 'Parachute' oder 'In Bloom' (siehe Video), die klar machen, dass NECK DEEP mehr wollen und Kompositionen erschaffen möchten, die nicht nur als Party-Granate wahrgenommen werden sollen, sondern als SONG. Leider muss man festhalten, dass es beim Versuch bleibt, da die Lieder ausnahmslos eher vor sich hinplätschern und im Grunde nur noch als Musikuntermalung zur Hausarbeit taugen.

Ich mag NECK DEEP grundsätzlich, aber mit "The Peace And The Panic" haben sie sich keinen Gefallen getan - einzig 'Don't Wait' sticht etwas aus der Fülle an durchschnittlichen Songs hervor, was aber auch dem Gastbeitrag von Sam Carter (seines Zeichens Frontmann von Architects) geschuldet ist, der dem Track die nötige Power mitgibt.

Im Gegensatz dazu kann es sein, dass Machwerke wie 'Wish You Were Here' oder das grausame 'Seventy Sumthin'' den berühmten Sargnagel bedeuten können. Es kann natürlich sein, dass NECK DEEP durch die deutliche Mainstream-Zuwendung auch neue Käuferschichten erobern können, allerdings werden sich im Gegenzug vermutlich etliche Old-School-Fans abwenden. Ich gehöre definitiv zur zweiten Gruppe.

Der halbe Blitz extra geht raus, weil NECK DEEP sympathische Burschen sind und ein, zwei Songs wirklich gut reingehen.

Album-VÖ: 18.08.2017