(Run For Cover Records)

TURNOVER gehört zu den Bands, welche sich bisher wie ein Stealth-Bomber unterhalb meines Musik-Radars aufgehalten haben. Ein schwerer Fehler, wie ich beim Vorhören ihres dritten Albums "Good Nature" und beim nachhören ihrer ersten beiden Alben "Magnolia" (2013) und "Peripheral Vision" (2015) feststellen musste.

TURNOVER haben auf ihren drei Alben einen deutlich hörbaren Wandel durchschritten. War das Debüt noch ein reines Emo-Punk Album, öffnete man sich mit "Peripheral Vision“ bereits dem Indie und Dream-Pop. "Good Nature" marschiert weiter in diese Richtung und dürfte wohl als Shoegaze durchgehen. Ehemalige Referenzbands wie Moose Blood oder Title Fight können nun getrost ersetzt werden durch Beach House oder Warpaint. Sicherlich ist dies eine Entwicklung der Band, welche bei den Fans der ersten Stunde nicht nur Freudensprünge auslösen wird. Aber wie heisst es so schön, wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich oftmals eine neue. Marketingtechnisch scheint der Weg jedenfalls nicht verkehrt zu sein, wie die stetig wachsenden Abrufzahlen und Klicks bei Spotify und Co. zeigen.

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"Good Nature" hält elf neue TURNOVER Tracks bereits, welche sich über die Dauer einer Fußbal-Halbzeit erstrecken. Zu Beginn gibt es die Vorabsingle 'Super Natural'. Spätsommer-Idylle mit ineinanderfließenden Gitarrenlinien und entspannten Vocals. "Es gibt nichts was ich Menschen lieber beibringe als Selbstlosigkeit" sagt Sänger Austin Getz. "Dieser Song handelt von der Liebe im romantischen Sinne, und wie sie für mich was meditativ wurde, mich entspannte und beruhigte und mir zeigte wie man etwas wirklich Großes fühlen kann. Es ist übernatürlich." Entspannung ist wohl auch das Keyword, welches man nutzen muss, wenn man den Sound von "Good Nature" umschreiben will. Denn mit 'Sunshine Type' lehnen sich TURNOVER dann noch etwas weiter zurück in ihrem Liegestuhl. Neue Einflüsse kommen aus altem Southern Soul and Blues, Bossa Nova oder Cool Jazz, aus der elektronischen Musik und natürlich auch Psychedelic. "Das Album hat durch diese neuen Einflüsse eine ganz andere Rhythmik als unsere anderen Alben", so Austin. "Die Melodien sind diesmal ganz anders, viel weniger linear. Sie haben mehr Seele und bekommen den Freiraum sich zu entfalten."

'What Got In The Way' wirkt im Vergleich zu den ersten beiden Tracks geradezu aufgewühlt, aber spätestens mit 'Butterfly Dreams' merkt der Hörer, dass die Band vermutlich jede Menge "Pet Sounds“ von den Beach Boys konsumiert haben dürfte, bevor man sich im Studio zusammenraufte.

Weitere Fixpunkte des Albums dürften die Tracks 'Curiosity' und 'Nightline Girl' sein, beide Tracks bieten Gitarrenmelodien zum dahinschmelzen. Und auch der Rausschmeißer und mit fünf Minuten Spieldauer längste Track 'Bonnie', darf unter den Highlights nicht fehlen.

Wenn man Frontmann Austin Getz nach einer Zusammenfassung des dritten TURNOVER-Albums "Good Nature" fragt, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen:
"Ein großer Teil des Albums handelt davon zu Lernen, wie man glücklich wird. Ich meine nicht die Ekstase, sondern diese ruhe Zufriedenheit die man in sich spüren kann, wenn man nur geduldig genug ist, in sich zu schauen. „Peripheral Vision" war eine Platte über das Gefühl der Leere, darüber nicht zu wissen was man mit sich anfangen soll. Dieses Album handelt davon, wie ich gelernt habe diese Leere lieben zu lernen."

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'Nightline Girl'

Album-VÖ: 25.08.2017