(People Like You Records/ Sony Music)

Eigentlich schon seit 2006 aktiv, firmiert man unter dem Namen ROGERS erst seit 2012. Die anfänglichen Schritte im PUNKrock wurde mit den Jahren zum PunkROCK "aufgeweicht". Das Quartett kommt aus Düsseldorf und hat eine ähnliche Auffassung des Genres wie die großen Brüder im Geiste (Die Toten Hosen).

"Augen Auf" ist das dritte Album der Jungs, welches wieder beim Haus- und Hoflabel People Like You Records erscheint. Produziert wurde das Album von Michael Czernicki und Markus Schlichtherle, die auch schon Alben von Callejon oder Madsen veredelt haben. Zudem ist der Madsen-Frontmann Sebastian als Gast an Bord, so dass sich der Kreis schließt.

'Nie Euer Land' legt textlich den Finger in die Wunde und rockt mit einem ordentlichen Punk-Galopp durch den Song. 'Augen Auf' schlägt als Titelsong in die gleiche Kerbe und erinnert an die Glanztaten von Radio Havanna oder an eine deutsche Anti-Flag-Variante.

Der dritte Song 'Helden Sein' könnte genauso auch von den Megasellern Die Toten Hosen stammen - das hier Sebastian Madsen mitwirkt, ist auch nicht von der Hand zu weisen. ROGERS haben definitiv die Mittel interessante Rocksongs zu schreiben, nur müssen sie sich Vergleiche mit der oberen Liga der deutschsprachigen Punkrock-Coummunity gefallen lassen. Hier ein wenig Donots, dort ein kleiner Muff Potter-Ausflug, die Broilers sind auch keine Unbekannten und schauen vorbei.

Aber wer soviel Assoziationen weckt, hat wahrscheinlich auch enorm viel richtig gemacht. Die Songs bleiben beim ersten Hören hängen und wirken lange nach - was in einer Zeit, in der alles hektisch zugehen muss und die Aufmerksamkeitsspanne so kurz ist, dass es nicht mehr messbar ist, für eine angenehme Abwechslung sorgt. 'Einen Scheiß Muss Ich' erinnert z.B. an The Hives oder The Computers, aber das macht überhaupt nichts, da ROGERS ihr Handwerk verstehen und die Kompositionen direkt in Kopf und Beine geleitet werden.

Auch die zweite Hälfte von "Augen Auf" hat alle Qualitäten, die die Verbindung von Rock und Punk so spannend macht. Ob nun die Verschwörungstheorie 'Sie Hören Zu', das emotionale 'Unter Tränen', der Uptempo-Knaller 'Tagesschau' oder die Catchyness bei 'Mit Mir' - ROGERS überzeugen durchgehend und überraschen mit einem Album, welches über den Tellerrand des Underground lugt und die Hände dem Mainstream entgegenstreckt. Aber genau dieser Ritt auf der Kante gibt das notwendige Stück Authentizität und macht "Augen Auf" spätestens beim zweiten oder dritten Hören zu einem Highlight.

Rogers_Photo_courtesy_of_PLY_Records

Rogers Photo courtesy of PLY Records

Da ROGERS bei mir persönlich immer etwas unter dem Radar geflogen sind, habe ich von "Augen Auf" auch nichts erwartet. Was mir die Jungs aber hier um die Ohren gebügelt haben, entlockt mir ein herzliches "Chapeau" und ein innerliches Grinsen, ob der phänomenalen Entwicklung.

Album-VÖ: 08.09.2017