(Rise/BMG/Ada Warner)

Oha, da ist einiges schief gelaufen. Hätte ich mal nicht „Hier“ geschrien, als die Rezensionsanfrage für die neue PVRIS über den Redaktionsverteiler kam. Ich hatte die Band eigentlich als "ganz okay" in meinem Hinterstübchen abgespeichert. Nach zwei Durchläufen von "All We Know Of Heaven, all We Need Of Hell" bin ich mir jedoch sicher, dass muss ein Trugschluss gewesen sein.

Mit "All We Know Of Heaven, all We Need Of Hell" veröffentlichen PVRIS nun ihr zweites Album. Das sie die Messlatte für den Longplayer sehr hoch gelegt haben dürften, lässt sich an den atemberaubenden Zahlen zum Vorgängeralbum "White Noise" ablesen. Kumulativ mehr als 113 Millionen Streams auf Spotify, knapp 32 Millionen YouTube Views. Allein die Single 'You And I' erreichte 17 Millionen Spotify Streams und 3,8 Millionen YouTube Views. Auftritte bei „Jimmy Kimmel Live!“ und „Last Call with Carson Daly“, Arenatour mit MUSE (!!!), Platz #1 der Billboard „Emerging Artists“-Charts, eigene Welttournee. Und das sind lediglich die nackten Zahlen zu einem Debüt (!).

Jetzt steht mit "All We Know Of Heaven, all We Need Of Hell" der Nachfolger bereit. Zehn Tracks versammelt die Band um Sängerin Lynn Gunn dort, welche allesamt in den bereits „typischen“ PVRIS Sound gekleidet sind. Man könnte es auch als Alternative Rock für Mädchen bezeichnen. Vielleicht ist es auch schon eher Pop. Auf jeden Fall scheinen Teile aus dem Baukasten Satz für liegengebliebene Katy Perry, Kelly Clarkson oder Britney Spears Stücke mit in die Songs geflossen zu sein. Gepaart mit rudimentärsten Metal oder Hardcore Elementen, dazu noch eine kleine Prise Gothic und schwuppdiwupp, haben wir eine Mixtur die in den USA und UK auf jeden Fall (erneut) ihre Fans finden dürfte. Mit entsprechender Vermarktungsstrategie und einigen schönen schwarz/weiß Videos, welche Frontfrau Lyndsey Gunnulfsen natürlich entsprechend präsentieren, wird das schon klappen. Noch bevor das Album überhaupt in die Ladenfolie eingeschweißt wurde, veröffentlichte die Band bereits fünf (!) Musikvideos mit Stücken aus „All We Know Of Heaven, all We Need Of Hell”.

Dabei fängt das Album eigentlich ganz erträglich an, hält jedoch mit dem Opener 'Heaven' bereits den besten Track für den Hörer parat:

Auch 'Half' zähle ich, nicht zuletzt aufgrund der von The Cure angehauchten Gitarrenmelodie zu den gelungenen Songs. Dem passablen Auftakt folgt jedoch der jähe Absturz. 'Anyone Else' ist lahmer Electropop, den die andere Band mit dem umgedrehten Vokal (Chvrches) sicherlich besser hinbekommen hätte. Der Songdreier 'What's Wrong', 'Walk Alone' und 'Same Soul' rutscht völlig in die Beliebigkeit ab. 'Winter' ist erneut schlechter Electropop, 'No Mercy' ist lahm wie eingeschlafene Füße. Und auch die letzten beiden Tracks ('Seperate', 'Nola 1') des Albums können das Ruder nicht mehr herumreißen.

Unterm Strich stehen jetzt zwei von zehn Songs, welchen ich das grüne Licht erteilen würde. Das ganze riecht für mich alles zu sehr nach Reißbrett und Marketingstrategien mit dem Ziel jungen englischsprachigen Mädchen ihr Taschengeld abzuknöpfen. CDs, Poster, T-Shirts, Konzertkarten werden PVRIS sicherlich erneut, mit Hilfe ihres „Role-Models“ Lynn Gunn, absetzen. Scheiß auf die Band!

Und wer hätte sich träumen lassen, dass jemals eine Review auf Gestromt mit folgendem Satz endet: Dann doch lieber Katy Perry.

Der Song für das Mixtape/die Playlist: 'Heaven'

Album-VÖ: 25.08.2017