(Sportklub Rotter Damm/ Indigo)

Okay: Gallows, Pulled Apart By Horses und Defeater werden in die Waagschale geworfen, wenn man KOLARI aus Hamburg beschreiben soll. So will es die PR-Abteilung. Sind natürlich schon ziemliche Hausnummern, deswegen wird auch einiges von dem Fünfer erwartet.

Da das Debüt "Fear/ Focus" mittlerweile seit zwei Wochen auf dem Markt ist, gab es für Post-Hardcore-Liebhaber schon die Gelegenheit zu prüfen, ob der aktuelle Hype (u.a. Visions Magazin Feature etc.) gerechtfertigt ist. Wenn man das Genre hört, muss natürlich auch der Vergleich zu At The Drive-In erlaubt sein. Es geht nicht darum, die musikalischen Ergüsse von KOLARI auf mögliche Plagiate abzuchecken, sondern es gilt zu prüfen, ob es die Nordlichter schaffen, einen internationalen Standard zu kreieren, der die Vielfältigkeit und Energie des Genres widerspiegeln kann.

Und ohne jetzt jeden Song einzeln bewerten zu wollen, stelle ich fest, dass KOLARI auf jeden Fall das Zeug dazu haben, in der oberen Liga mitzuspielen. Für die Champions League reicht es vielleicht noch nicht ganz, aber sie sind auch weit vom Abstieg entfernt. Meine subjektive Meinung zu Bands die auserkoren sind, das "nächste große Ding" zu werden, ist meist eher pessimistischer Natur (siehe Van Holzen oder Farben/Schwarz) - um so mehr freue ich mich, wenn es eine Musikgruppe schafft, aus dem Sog meiner enttäuschenden Erwartungshaltung hervor rockt und mir ein Zucken im Mundwinkel oder sogar die gereckte Faust entlockt.

Abzüglich zwei Interludes ('(I)' und '(II)'), die wahrscheinlich dem Spannungsaufbau dienen sollen, aber leider eher die Dynamik bremsen, gibt es 10 Kompositionen auf die Lauscher. Songs wie 'Cupid's Poisoned Arrow', 'Too Big To Fail' oder 'Antimotivational' bieten einen guten Querschnitt vom Können und machen nachdrücklich klar, dass mit KOLARI auch in Zukunft zu rechnen sein wird. Auch wenn die Songs strukturell keine großen Experimente wagen und auch der "Wow"-Effekt nicht wirklich einsetzt, ist "Fear/ Focus" definitiv ein Album, welches oberhalb der Durchschnittslinie anzusiedeln ist.

Kolari_Photo_by_Robin_Helm

Foto: Robin Helm - www.healthyandfat.com

Wer noch immer Bands wie Ghost Of A Thousand oder Rolo Tomassi vermisst, dürfte mit KOLARI den passenden Ersatz gefunden haben. Ich bin gespannt inwieweit sich die Hamburger Jungs positionieren können und freue mich über weitere Neuigkeiten aus dem Hause KOLARI.

Album-VÖ: 18.08.2017