(Arising Empire / Nuclear Blast / Warner)

Anfang 2015 erschien die EP "Values & Virtues“ (Redfield Records) von Burning Down Alaska und war damals ein richtiges Brett mit neun Songs. Diese EP war der Grundstein und der Durchbruch für die Jungs aus Recklinghausen. "Never touch a running system" könnte man nun meinen. Nun ja könnte man - aber im Ruhrpott denkt man da ganz anders. Und so erscheint im August 2017 mit “Phoenix“ der nächste Schritt der Band, inklusive Radikalveränderung. Neuer Name - neue Bandmember und neues Konzept. Und wie der Albumtitel schon sagt, steigen ALAZKA, wie die Band sich nun nennt, mit “Phoenix“ wortwörtlich aus der Asche der Vergangenheit.

Alles anders - Alles gut?

Ja verdammt! Was bei "Values & Virtues“ noch fehlte, damit das Ganze richtig rund läuft, wurde gesucht und gefunden. Kassim Auale wurde als zweiter Sänger dem Ensemble hinzugefügt und übernimmt die Cleanparts. Und das macht er richtig gut. Die Songs erhalten mehr Gefühl und Tiefgang und auch wenn man die Platte ohne Zweifel im Melodic-Hardcore Genre unterbringen kann, schwingen ständig Pop-Einflüsse mit durch. In den Treehouse Studios in Derbyshire, Großbritannien wurde bereits im Juli 2016 mit der Produktion von “Phoenix“ begonnen. Der Prozess der Entwicklung seit daher beinhaltete auch die Verkündung am 29. März 2017 nun mehr nur noch unter dem Namen ALAZKA weiterzumachen und mündete schließlich mit der Veröffentlichung des Albums. Das lange Warten hat sich schlussendlich gelohnt und Kassim Auale, Tobias Rische, Marvin Bruckwilder, Dario Sanchez und Julian Englisch werden sich mit diesem Werk international einen Namen machen können. Dazu tragen vor allem auch die neuen Plattenverträge mit SharpTone Records und Arising Empire, welche den weltweiten Markt beliefern werden. Mit großen Touren wie zum Beispiel die Impericon Never Say Die!-Tour oder großen Festivals wie das Graspop Metal Meeting kennt sich die Band ja auch bereits aus.

Die neuen Qualitäten werden dem Publikum mit der ersten Single-Auskopplung 'Empty Throne‘ präsentiert. Und der Song liefert einen guten Mix aus Clean- und Shoutgesang, ohne wie der allgegenwärtige Melodic-HC-Einheitsbrei zu wirken. Der Song startet sehr ruhig und melodisch - fast schon wie Passagen aus Boysetsfire-Songs, um dann mit steigender Intensität in dem kraftvoll geshouteten Refrain zu enden. Der Song ist sehr catchy und wird bestimmt auch in vielen Playlisten landen. Das Album im Ganzen startet mit dem Akustik-Intro 'Echoes’ welches sehr ruhig und ausgewogen ist. Daraufhin letitet 'Ghost‘ in klassischer Form das Album ein. Der Song enthält alles was man schon 2006 bei Alexisonfire zu schätzen wusste. Viele der Titel auf dem Album, wie auch 'The Witness‘, starten sehr atmosphärisch - aber auch relativ ähnlich. Dies revidieren die Recklinghausener jedoch immer wieder durch veränderte Songstrukturen. Sei es eine verlängerte Strophe, einen Pre-Chorus oder der Wechsel zwischen den Clean- und Shoutanteilen. Auch eine Bridge wird hin und wieder integriert. Der Wechsel zwischen kraftvollen Songs und langsameren Tracks sowie der Einbau von Interludes auf dem Album ist gelungen und alles wirkt daher nicht willkürlich ersetzbar.

Im weiteren Verlauf des Albums heben sich noch drei Songs etwas hervor. Zum ersten ist da 'Everglow‘ - der Song hat schon fast Radiopotential. Die Strophen klingen wieder sehr poppig und erinnern fast an 30 Second To Mars. Absolut live-tauglich. Der nächste Song ist der Titeltrack des Albums und gleichzeitig die zweite Single. 'Phoenix‘ ist nach der starken ersten Single etwas gewöhnungsbedürfig und braucht drei oder vier Anläufe bis auch hier sich der Ohrwurm-Charakter einstellt. Die Akustikgitarre, die hier eingesetzt wird verleiht dem Ganzen nochmal eine andere Wirkung. Der letzte Anspieltipp auf der gelungene Platte ist 'Legacy‘. Hier gibts dann endlich mal ein vernünfitges kraftvolles Gitarrensolo auf die Backen. Gab es so auf dem Album bislang noch nicht. In diesem Song wechseln sich die beiden Sänger wieder fließend ab und das Ganze entwickelt sich zu einem guten Song. Ich fühlte mich gegen Ende des Tracks durchaus stark an Black-Music erinnert.

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Alazka Photo by Lennart Kortmann


Zum Abschluss von “Phoenix“ gibts es dann noch ein Schmankerl an die Fans der ersten Generation. 'Blossom’ damals noch unter Burning Down Alaska veröffentlicht, wurde neu aufgenommen und gemixed.

Ein starkes Debüt von ALAZKA, welches viele Blitze verdient hat.

Album-VÖ: 01.09.2017