(SharpTone / Nuclear Blast / Warner)

Unverhofft kommt oft. ACROSS THE ATLANTIC aus San Antonio hatte ich bisher nicht auf dem Schirm, aber der grandiose Mix aus Pop, Punk und Hardcore weiß zu Gefallen.

Durch eine Internetanzeige auf Initiative von Sänger Jay Martinez haben sich die fünf Jungs von ACROSS THE ATLANTIC im Jahre 2012 zusammengefunden. Ursprünglich war es das Ziel eine Hardcore-Band zu gründen. 2013 folgte ein wilder Ritt durch die turbulente texanische Underground-Musikszene. Das unablässige Live spielen führte zu einem Reifeprozess und dem 2015er Debütalbum "Holding On To What We Know". Bereits das Debüt machte deutlich, dass man sich von dem Ziel pure Hardcore-Kapelle eigentlich entfernt hatte. Aber das war überhaupt nicht schlimm, denn die Mucke besaß solch ein Qualitätslevel, dass man von nun an mit Bands wie Four Year Strong oder A Day To Remember verglichen wurde.

Jetzt haben wir 2017 und mit "Works of Progress" ist der zweite Full-Length-Release von ACROSS THE ATLANTIC verfügbar. Einem starken 'Prelude' folgt der bereits als Vorabsingle veröffentlichte Track 'Playing For Keeps'. Der Song kann durchaus als stellvertretend gesehen werden, für das was ACROSS THE ATLANTIC hier über Albumlänge anbieten. Nämlich feinste Pop-Punk-Hymnen, die mit einigen Gruppen-Shouts und ein bisschen mehr Härte, erfolgreich den brach liegenden Teich der BLINK182 und Co.-Fans abfischen können. 'Sundress Funeral' und 'Cutting Corners' bieten sich als Festivalhymnen für die kommenden Sommerpartys an. Die Song sind so aufgebaut, dass man vor seinem geistigen Auge bereits die Circle Pits auf dem matschigen Boden in Scheeßel aufploppen sieht. Denn das dürften die Orte sein, wo die Musik von ACROSS THE ATLANTIC hingehört. Auf die Festivalböden der Republik. Vom Ring bis zum Hurricane dürfte dieser Sound wohl auf vielen Festivalböden in Deutschland funktionieren und genau darauf auch abzielen.

Der Pop-Punk kommt hier phasenweise so sonnig daher, dass man die teils düsteren Momente ('Real Friends'; '24 Hours'; 'Blind Eyes') gar nicht ernst nehmen möchte. Und wenn es angebracht ist, kann sich die Band auch mal zurücknehmen und einen ganz entspannten Soundtrack zum cruisen, oder was ein amerikanischer Jugendlicher heutzutage so anstellt, liefern. Beste Beispiele für Leisetreter der Marke ACROSS THE ATLANTIC dürften in diesem Sinne die Tracks 'Chin Up' und 'Starting Over' sein.

Unterm Strich stehen 13 Songs welchen man höchstens vorwerfen kann über die volle Distanz zu sehr auf Nummer sicher zu gehen. Es fehlt einfach dieser eine Moment, dieser eine Ausreißer, der das Album zu einem Glanzstück der jüngeren Pop-Punk Geschichte machen könnte. Auch wenn der vermutlich als Rausschmeißer gedachte Track 'Works Of Progress', sich in dieser Hinsicht offensichtlich abmüht. Als Nachklapp gibt es dann auch noch eine eher mäßige Coverversion des One Direction Hits 'Perfect'. Die ist zwar besser als alles was den Weg auf die letzte Punk goes Pop Compilation gefunden hat, wirkt hier dennoch deplatziert und war vermutlich eine Label-Entscheidung und nicht die der Band. Gleiches vermute ich im übrigen auch für den hier wiederveröffentlichten Track 'Real Friends', welcher bereits 2014 erschienen war und sich auch schon auf dem Debüt der Band befand.

Somit geringe Abzüge in der B-Note. Dennoch, die Band macht Spaß, hat Feuer und dürfte live so einiges an Energie auf die Bühne bringen. Somit empfehlen wir die Europa-Tour mit ihren Labelkollegen ALAZKA und den Post-Hardcore-Helden IMMINENCE.

DATES:
17.09.17 (DEU) Hannover, Mephisto
18.09.17 (DEU) Dortmund, FZW
19.09.17 (GBR) Cardiff, Fuel
20.09.17 (GBR) London, The Black Heart
22.09.17 (DEU) Trier, Exhaus
23.09.17 (CHE) Aarau, Kiff
24.09.17 (ITA) Milan, Circolo Svolta
25.09.17 (AUT) Wien, Chelsea
26.09.17 (DEU) Berlin, Musik & Frieden
27.09.17 (POL) Warsaw, Hydrozagadka
28.09.17 (CZE) Prague, Rock Cafe
29.09.17 (DEU) Dresden, Konk Klub
30.09.17 (DEU) Stuttgart, KellerKlub

Der Song fürs Mixtape/die Playlist: 'Sundress Funeral'

Album-VÖ: 01.09.2017