(Rise Records/ BMG/ Warner)

Rauer Punkrock, der von Herzen kommt und alle Sinne anspricht. Textzeilen, die für Tattoos genutzt werden. Eine Band, die einen Kultstatus erreicht hat, dass es für drei Karrieren reicht. Das und noch soviel mehr sind HOT WATER MUSIC! Nachdem es vor fünf Jahren ein viel umjubeltes Comeback mit dem Album "Exister" gegeben hatte, wurde zwar noch eine Tour gespielt, aber danach war wieder Funkstille angesagt. Chuck Ragan kümmerte sich um Familie und vereinzelte Solo-Auftritte, Chris Wollard hat mit seinen Ship Thieves ein grandioses Album herausgebracht, George Rebelo verdient bei The Bouncing Souls seine Brötchen und Jason Black macht, was ein Jason Black halt so macht.

Nun also nach 5 Jahren Abstinenz "Light It Up" und mit 'Complicated' startet das Album mit einem Sound, der zu Epitaph-Zeiten ("Caution", "The New What Next" & "A Flight And A Crash") perfektioniert wurde. Der Wert wird schon auf eine gewisse Catchyness gelegt, wobei der nachgeschobene Titeltrack die Anfangstage von HOT WATER MUSIC aufleben lässt. Fast schon wütend und enorm prägnant wird dieser in anderthalb Minuten runtergebolzt. Die typischen Background-Chöre fehlen natürlich trotzdem nicht.

Dass HOT WATER MUSIC den Midtempo-Sound mittlerweile aus dem Eff-Eff beherrschen, beweisen sie mit den beiden Stücken 'Show Your Face' und 'Never Going Back'. Die Härchen auf dem Unterarm stellen sich quasi von alleine auf - wenn dann der Chorus angestimmt wird, fallen alle Hemmungen. Für Fans der Band ist Kontrollverlust eh selbstverständlich, aber auch die jüngere Generation, die nur Epigonen wie Red City Radio oder Nothington kennt, wird den alten Männern ihre Herzen vor Verzückung hinwerfen wollen.

Selbst recht beliebige Stücke wie 'Rabbit Key' oder 'Sympathizer' haben Charme, auch wenn sie qualitativ eher im unteren Segment einzuordnen sind. Richtig schlechte Musik kann das Quartett auch nicht. 🙂

'Vultures' wurde ja schon vorab veröffentlicht und knallt gut rein mit seinem Old-School-Vibe. Dagegen erscheint 'Bury Your Idols' etwas zahm und wirkt wie Füllmaterial. Es geht munter weiter mit dem Auf und Ab, denn 'Overload' packt dich ab der ersten Sekunde am Schlawittchen, schüttelt dich durch und lässt dich ausgepumpt zurück. 'High Class Catastrophe' erinnert im besten Sinne an die Solo-Ausflüge von Herrn Ragan - schön zurückgenommen und sehr intensiv. 'Hold Out' ist leider wieder egal, aber "Light It Up" bekommt dann mit 'Take You Away' doch noch einen mehr als versöhnlichen Abschluss verpasst, denn genauso muss erwachsener, melancholischer Punkrock klingen.

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Hot Water Music Photo courtesy of Rise Records

"Light It Up" ist vielleicht nicht das erhoffte Glanzstück geworden, allerdings ist es vermutlich auch nicht ganz einfach Songs zu komponieren, wenn man als Band im Vorfeld der Produktion nur über Skype und ähnliche technische Errungschaften kommunizieren kann, da der räumliche Abstand einfach zu groß geworden ist. Man merkt der Platte eine gewisse Zerrissenheit an, die Stringenz geht HOT WATER MUSIC etwas ab. Es sind beileibe keine schlechten Songs vertreten, aber um mal Plattitüden zu bemühen: "Früher war einiges besser".

Und eine Bewertung von 4,5 Blitzen ist auf jeden Fall sehr gut, allerdings erhofft man sich als Fan schon im Vorfeld ein 6-Blitze-Meisterwerk. Das hat diesmal leider nicht geklappt.

Album-VÖ: 15.09.2017