(AFM Records/ Soulfood)

Bereits seit über 20 Jahren gibt es nun schon die EMIL BULLS aus München - der ganz große Erfolg blieb allerdings bisher aus, wobei das letzte Album "Sacrifice To Venus" direkt auf Platz 6 der deutschen Albumcharts schnellte und damit zum erfolgreichsten Werk der Band avancierte. Dieses Jahr war es dann so weit und man spielte zum ersten Mal auf dem Wacken Open Air, eine Sache die man laut Sänger Christoph von Freydorf schon ewig erreichen wollte. Und nun erscheint mit "Kill Your Demons" das neunte Studioalbum der Bullen, welches dem Stil der Band vollkommen treu bleibt.

Das zeigt nämlich bereits der Titeltrack 'Kill Your Demons', welcher gewohnt harte Riffs mit melodischem Gesang verbindet. Es dauert keine zehn Sekunden und man ist direkt in Stimmung gekommen und nach einer Minute singt man dann vielleicht auch schon selber mit. Das Teil ist einfach super eingängig und macht einfach nur Laune. Einen besseren Einstieg hätte ich mir nicht vorstellen können. Mit 'The Ninth Wave' geht es auch sofort auf demselben Niveau weiter und der Refrain bohrt sich ohne Gnade in den Gehörgang und setzt sich dort sofort als Ohrwurm fest. Einen Aufruf zum Widerstand gibt es mit 'Black Flags (Over Planet Earth)', natürlich dürfen bei den EMIL BULLS auch gesellschaftskritische Lieder nicht fehlen. Und wenn sie von solcher Qualität sind, ist das umso besser.

Das folgende 'Miss Magnetic' ist mit nichtmal drei Minuten recht kurz und es ist nicht das Einzige was hier an die Radioformel erinnert. Auch der Liedtext und die Gesamtstruktur erinnern fast schon an einen Popsong. Nur die harten Riffs verhindern hier wohl, dass es so dann doch nicht im Radio laufen wird. 'Once And For All' hätte sicherlich auch große Chancen zum Mainstream-Hit zu werden, ist es doch eine typische Mitsinghymne. Das ist aber in keiner Weise negativ gemeint, dafür ist das Stück einfach viel zu mitreißend. Aber man muss absolut keine Angst haben, dass jetzt hier alles zu mainstreamig wird, denn bei 'Anatomy Of Fear' kommen sofort deutliche Thrash-Metal Einflüsse zum Vorschein.

Für genügend Abwechslung ist also weiterhin gesorgt und 'Mt. Madness' prischt im Anschluss ohne Vorwarnung auf den geneigten Hörer ein. Die Aggressivität wird nochmal gesteigert ohne dabei die Melodie zu vernachlässigen. Hier spielt die Band wieder direkt ihre gewohnte Stärke aus, diese zwei Sachen perfekt verbinden zu können. Na wer kennt noch 'Euphoria' den 2012er Gewinnersong des Eurovision Song Contest von Loreen? Damit hat, trotz Namensgleichheit, dieses Lied zwar gar nichts zu tun, aber tatsächlich hätte man ihn wohl auch ohne Probleme dort aufführen können. Hier ist einfach alles auf Eingängigkeit geschrieben, welches sicherlich dafür sorgen wird, dass manche es inbrünstig hassen werden. Würde mich nicht wundern, wenn da noch ein Musikvideo kommt. Es würde auf jeden Fall passen.

Klassischer geht es mit 'In Any Case Maybe' weiter, daran ändern auch eingefügte MIDI-Sounds nichts. Aber ich möchte mich lieber auf 'Gone Dark' konzentrieren, dem für mich besten Lied auf "Kill Your Demons". Nach dem sehr gefühlvoll gesungenen Einstieg, knallt es hier bald aus allen Rohren und sorgt unweigerlich dafür, das Lied ein weiteres Mal zu hören, bevor man das Album weiterlaufen lässt. Eine ganz große Nummer! Zum Glück folgt darauf kein Absturz, nachdem man gerade in höchsten Höhen gastierte. 'Levels And Scales' macht nämlich auch verdammt viel Spaß und gönnt uns gegen Ende sogar ein Gitarrensolo. Zum Abschluss darf man bei 'Winterblood (The Sequel)' auch mal etwas ruhigeren Tönen lauschen und wird damit sehr passend unterstützt von Klavierklängen  in die reale Welt entlassen.

Photo_by_Tobias_Sutter

Photo by Tobias Sutter

Wow was für ein Album! Man sollte keine Offenbarungen erwarten, die EMIL BULLS ziehen hier einfach ihr Ding durch, aber auf was für einem Niveau. Sicherlich wird die "Kill Your Demons" mal wieder polarisieren. Manche werden die Texte schwach finden, anderen ist das mal wieder nicht metallisch genug und viele werden über 'Euphoria' herziehen.

Aber mal ganz ehrlich: In 45 Minuten weiß einem dieses Album aus jedem Stimmungstief rauszuholen und bringt einen in beste Partystimmung. Einfach mal so richtig abschalten können, dafür ist es perfekt geeignet und in der heutigen Zeit, kann man das sehr gut gebrauchen. Ein Stück kommt eingängiger als das Nächste daher und ich will mir gar nicht erst vorstellen, wie die Dinger live einschlagen werden. Für mich gehört "Kill Your Demons" ganz einfach zu den besten Alben des Jahres.

Album-VÖ: 29.09.2017