(Century Media Records/ Sony Music)

Dass seit 2015 hinter dem Namen GRAVE PLEASURES eigentlich die finnische Post-Rock-Gruppe Beastmilk steckt, dürfte hinlänglich bekannt sein. Mit der Umbenennung ging eine kleine Sound-Korrektur einher - der Pop (oder meinetwegen Post-Pop) hielt Einzug und konnte das GRAVE PLEASURES-Debüt "Dreamcrash" auf ein neues Level heben und begeisterte mit einer verschachtelten Mixtur aus New Wave, Post-Rock und leichtem Punk-Vibe. Das Ganze wurde so homogen vorgetragen, dass die Vorfreude auf den nun vorliegenden Longplayer "Motherblood" schon groß war.

Das Song-Dreigestirn 'Infatuation Overkill', 'Doomsday Rainbows' und 'Be My Hiroshima' steht Pate für den Rest des Albums. Der mäanderne und dunkle Gesang von Frontmann Mat McNerney umschmeichelt die Kompositionen perfekt und zieht Einen in einen Sog hinein, aus dem man sich kaum befreien kann und vor allem auch nicht möchte.

Wenn morgen Weltuntergang wäre, ist das mit der Musik von GRAVE PLEASURES gut auszuhalten - deren postapokalyptischen Song-Eskapaden lassen einen mit offenen Mund zurück - man lässt sich fallen und wird von Tracks wie 'Joy Through Death' oder 'Laughing Abyss' mitgerissen und vergisst in diesen Augenblicken alles um sich herum.

Wenn das Tempo entschleunigt wird ('Falling For An Atom Bomb', 'Atomic Christ'), meint man einen verzweifelten und kaputten Brett Anderson (Suede) zu lauschen.

"Motherblood" steht "Dreamcrash" in keinster Weise nach - ist vielleicht sogar noch etwas tiefgründiger und anspruchsvoller. Trotz oder gerade aufgrund dieser Tatsache fliessen die Songs und entfalten eine dunkle Dynamik, die man als Alleinstellungsmerkmal von GRAVE PLEASURES erkennen kann.

Grave_Pleasures_Photo_by_Anton_Coene

Grave Pleasures Photo by Anton Coene

"Motherblood" ist kein Album, welches man einfach wegkonsumieren sollte, sondern dem man Zeit und Aufmerksamkeit schenken sollte. GRAVE PLEASURES haben nämlich Songs erschaffen, die es verdient haben, entdeckt zu werden. Und dann wird man mit vertonter dunkler Materie belohnt. 🙂

Album-VÖ: 29.09.2017