(People Like You Records/ Sony Music)

Die Deutschpunk-Institution SLIME veröffentlicht also doch noch mal ein Album, obwohl vor etlichen Jahren angeblich der Hammer gefallen ist. Aber die Polit-Punks können nicht aus ihrer Haut und haben nicht nur mächtig Bock auf Live-Auftritte, sondern wollen ihre langjährigen Fans und Nostalgikern ein vertontes "Lage der Nation"-Album anbieten. Dieses heisst passenderweise "Hier Und Jetzt" und geizt nicht mit neuen Parolen und einer sozialkritischen Auseinandersetzung mit der Gesellschaft.

16 Tracks haben es auf das Album geschafft, wobei zu schauen (bzw. zu hören) ist, ob die Qualität der angebotenen Quantität entspricht. In der Hoffnung, dass sich SLIME nicht nur auf ihrem Legendenstatus ausruhen, versuche ich mich als Nicht-Fan in den Longplayer einzuhören. Klar gibt es die Klassiker von SLIME, die jeder Punk kennen sollte und immer noch gerne aufgelegt werden. Mit der Historie der Band jetzt anzufangen, bedarf es aber mehr Platz (ich verweise auf Wikipedia). Nun also zu "Hier Und Jetzt":

'Unsere Lieder' eröffnet den bunten Reigen und macht darauf aufmerksam wie sehr die Songs von vor 30 Jahren immer noch oder schon wieder aktuell sind. Ist natürlich frustrierend, wenn sich gesellschaftlich kaum etwas zum Besseren geändert hat und das Denken immer eindimensionaler ist. Musikalisch hat das schon eine gewisse Catchyness und kann im Midtempo verortet werden.

'Brandstifter' lädt zum wütenden Pogo ein, während 'Sie wollen wieder schießen (dürfen)' die Geschwindkeit etwas drosselt. Textlich ist das alles wenig subtil, sondern sehr platt und einfach formuliert. Interpretationsmöglichkeiten bleiben kaum übrig. Dann wird´s richtig schlecht - mit einem stampfenden Beat, kommt der Zuhörer in den Genuss eines Gastbeitrages von Swiss & Die Anderen. 'Patrioten' heisst der Song - wenn man dann erschreckenderweise feststellt, dass die gerappten Strophen noch das Beste am Ganzen ist, wird´s fast schon traurig.

'Banalitäten Des Bösen' und 'Hier Und Jetzt' wildern im Die Toten Hosen/ Rogers/ Broilers-Kosmos - abgeklärter Altherren-Rock, leicht stupide und sehr einfach gestrickt. Wobei ich anmerken muss, dass zumindest die Hosen und Rogers gute Alben in diesem Jahr veröffentlicht haben.

Vielleicht sind die Texte wichtig und sollten laut skandiert werden - leider macht die Musik und der Gesang aber keine Lust, sich näher mit den Aussagen der Band zu beschäftigen. Das ist fast alles so egal und zieht sich wegen der sechzehn Songs auch extrem in die Länge. Ich kann subjektiv kein einziges Lied ausmachen, was mich packen würde.

SLIME sind der Ernsthaftigkeit verpflichtet und haben nicht ein Fitzelchen Selbstironie im Angebot - das macht das Zuhören schwierig und Sympathiepunkte werden auch nicht eingesammelt. Klar hat "Hier Und Jetzt" seine Momente ('Ich Kann Die Elbe Nicht Mehr Sehen' mit entspannten Ska-Beat oder 'Für Alle Zeit' mit seinen metallischen Gitarren), aber der Großteil dudelt ohne Wiedererkennungswert vorbei.

 Slime_Photo_by_Viktor_Schanz

Slime Photo by Viktor Schanz

SLIME wollen mit "Hier Und Jetzt" ein Statement setzen und ihren Kommentar zum gesellschaftlichen Status Quo abgeben. Der Mittel zum Zweck, die Musik, ist allerdings so altbacken und unspektakulär, dass es schwer wird, die Hörerschaft zu überzeugen. Dann reicht auch der Kult- und Legendenstatus nicht.

Album-VÖ: 29.09.2017