(Little Rocket Records/ Plastic Head)

Seth Richard heisst der junge Mann, der sich anschickt als LAYDEN AND THE LION dem Singer/Songwriter-Punkroots-Genre einen neuen Stempel aufzudrücken. Herr Richard hat alle Songs auf "The Lucky Ones" selbst geschrieben, kommt aber zur Freude des Rezensenten mit kompletter Bandunterstützung - somit ist schonmal vermieden, dass es nur Liedgut auf der Akustikgitarre gibt.

Da das Feld der oben erwähnten Schublade schon reichlich abgedeckt wird (als Beispiele seien Tim Vantol, Dave Hause, Chuck Ragan, Rob Lynch, Frank Turner, Sam Alone oder Jared Hart genannt), ist es natürlich umso spannender herauszufinden, wie es LAYDEN AND THE LION schaffen wollen, aus dem Überangebot hervorzustechen.

"The Lucky Ones" beginnt mit 'Wildfire', der einen in die Welt von LAYDEN AND THE LION gut einführt. Ein ruhiger Start, der mit dem eindringlichen und emotional-aufgeladenen Gesang startet, dann setzen weitere Instrumente ein und 'Wildfire' entwickelt sich zu einem wunderbaren Heartland-Rocksong, der den ruhigeren Sachen von z.B. The Gaslight Anthem oder Lucero in nichts nachsteht.

'Just For A Night' schlägt in eine ähnliche Kerbe und lässt die Haare auf den Unterarmen senkrecht stehen. Der warme und natürliche Sound auf "The Lucky Ones" wurde übrigens von Aaron Gillespie (Underoath-Drummer & Clean-Vocalist) produziert, dem es gelingt die Songs für sich stehen und atmen zu lassen.

Der dritte Track 'Dear Curlis' ist ziemlich minimalistisch und ruhig gehalten und irrt irgendwie ziellos umher ohne zum Punkt zu kommen. Leider bremst der Song recht früh die begonnene Euphorie für das vorliegende Album. Aber dann kommt 'Heavy Hearts' um die Ecke und bringt "The Lucky Ones" wieder auf Kurs. Auch wenn es natürlich hörbare Unterschiede gibt, fühle ich mich des Öfteren an Northcote erinnert.

Das rockige 'Three Times Now' hat ein Video spendiert bekommen, welches ich anhängig verlinke, um euch auch ein akustisches Beispiel für die Fähigkeiten von Mr. Richard zu geben:

Das Bruce "The Boss" Springsteen natürlich auch als Referenz und Vorbild dient, wird v.a. bei 'Plaid Dress' und 'Wash It All Away' deutlich. LAYDEN AND THE LION schaffen es, einen Sound zu kreieren, der zwar deutlich angelehnt an o.g. Bands/Musiker ist, aber gleichzeitig viel Respekt einfordert, da die Kompositionen klug durchdacht sind und eine eigene Dynamik entwickeln.

'A Little Love' geht zu Herzen und der Titeltrack beschliesst ein Album, welches beim ersten flüchtigen Hören als Plagiat abgekanzelt werden könnte, dies aber nach intensivierer Beschäftigung revidiert werden muss. Denn LAYDEN AND THE LION haben klasse Songs aufgenommen, die es verdient haben, gehört zu werden.

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Layden And The Lion Photo courtesy of LATL

"The Lucky Ones" passt perfekt in die aktuelle Jahreszeit. Leicht melancholisch, aber trotzdem kraftvoll schaffen es LAYDEN AND THE LION die Seele des Punkrocks einzufangen und in spannende Americana/Heartland-Songs umzusetzen.

Album-VÖ: 06.10.2017