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Und schon wieder ein Neustart für Billy aka WILLIAM PATRICK CORGAN. Der Smashing Pumpkins Frontmann versuchte es in den letzten Jahren mit verschiedenen Formationen (Zwan, Spirit In The Sky, Smashing Pumpkins Reunion oder solo als Billy Corgan) an die erfolgreichen Jahre seiner Hauptband anzuknüpfen. Der Erfolg blieb aus, und spätestens seit Tim Wiese weiß man wohin einen die Karriere führt, wenn die Erfolge aus bleiben, nämlich auf den harten Boden eines Wrestling-Rings. So gründete Corgan 2011 eine eigene Indie-Wrestling Liga, was bei dem Dickschädel aber auch 2016 in einem Rechtsstreit enden musste. Somit ist jetzt wieder Zeit für Mucke.

Als langjähriger Pumkins Fan hat CORGAN mich mit seinen letzten Veröffentlichungen eigentlich schon längst verschmäht. Dennoch hofft man bei jeder weiteren VÖ, dass sich die Genialität dieses Songwriters doch endlich mal wieder Bahn brechen muss. Als ich dann die Meldung las, dass jetzt das zweite Solo-Album von CORGAN ansteht, so begab ich mich doch wieder in freudige Erwartung. Warum jetzt dieser Neustart unter wieder neuem Namen bleibt jedoch erst mal fraglich, da CORGAN selbst dazu folgende Aussage trifft: “So lange wie ich zurück denken kann, konnte ich den Unterschied zwischen Songs, die ich für mich schrieb und Songs, die ich für welche Band auch immer schrieb, nie genau erklären. Und das ist noch immer so, denn sie fühlen sich alle sehr persönlich für mich an, egal aus welcher Zeit oder Ära. Der einzige Unterschied bei den Songs für Ogilala ist, dass sie wenig Verzierung benötigten”.

"Ogilala" ist natürlich ein mehr als dämlicher Albumtitel und auch das Cover versprüht nicht gerade die Eleganz und Erhabenheit, die man sich als Fan früherer Tage wünscht. Das in den ersten Vorabinfos immer wieder von einer gewissen Reduziertheit und einer dominierenden Akkustikplatte die Rede ist, lässt hingegen hoffen. Schließlich waren auch die Mellow-Tracks der Pumpkins größtenteils wunderbare, oft unterschätzte, Meilensteine. Hier und Da als B-Seiten und Bonus-Songs versteckt, konnten sie jedoch spätestens auf der zweiten CD der wunderbaren The Smashing Pumpkins Compilation "Rotten Apples" ihre ganze Brillianz entfalten.

Als Produzent angelte sich CORGAN für das Album Rick "The Legend" Rubin: “Nachdem ich die Songs für Gesang und Gitarre geschrieben hatte, habe ich mich in Ricks Hände begeben und ihm die Entwicklung der Musik überlassen. Normalerweise hätte ich mehr getan und mehr an der Produktion geschraubt, aber stattdessen hat Rick mir die Bürde auferlegt, Live Aufnahmen auf einem molekularem Level abzuliefern. Der Rest war einfach nur eine Reaktion.” Das klingt jetzt zwar nicht nach sonderlich viel Arbeit für Rubin, sondern hört sich eher nach einer Bestätigung für die Aussagen von Slipknots Corey Taylor an, für den Rubin nach der letzten Zusammenarbeit ein rotes Tuch sein dürfte, da der Produzent nichts beigetragen hatte und nur faul auf dem Sofa rumlag. Sei es drum, der Produzentenname Rubin prangt in den Credits und CORGANs unvergleichliche Stimme dominiert die Songs auf "Ogilala".

Zum Einstieg gibt es mit 'Zowie' eine nur mit Klavier instrumentierte Bowie-Hommage. Ganz nett. 'Processional' im Anschluss lässt einem dann aber eher die Füße einschlafen und man fragt sich ob man sich jetzt durch dieses Album quälen muss. Das ebenfalls als Vorabsong veröffentlichte 'The Spaniards' sorgt hingegen für Entwarnung. Der Track kann was und beschwört hier die ersten Pumpkins Referenzen. Vermutlich hätte diesem Track jedoch eine etwas fettere Produktion besser zu Gesicht gestanden. Na toll, Rick Rubin.

Piano-Riff und Corgans Stimme sind die bestimmenden Hauptdarsteller im gelungenen 'Aeronaut'. 'The Long Goodbye' rauscht fast unbemerkt an einem vorbei, bevor CORGAN mit 'Half-Life Of An Autodidact' wieder ein Highlight setzen kann, welcher sich nach zweieinhalb Minuten Spielzeit zu noch höherem aufschwingt. Das anschließende Song Trio 'Amarinthe', 'Antietam' und 'Mandaryne' beschreitet den Weg von der dominierenden akustischen Klampfe, hin zur Klaviermusik. Alle Songs sind gelungen, wenn man sich denn darauf einlassen kann und möchte. Und auch die beiden abschließenden Tracks weisen keine Ausbrüche, geschweige denn Eruptionen aus.Und das dürfte dann wohl auch die größte Überraschung des Albums sein. Das CORGAN es schafft sich über die komplette Albumdauer deutlich zurückzunehmen.

Das Album wird gewiss seine Zeit brauchen bis es zündet. Da braucht es schon mehr als ein oder zwei Hördurchgänge. Wer jedoch mit der entsprechenden Ausdauer an "Ogilala" herangeht und auch den ruhigeren Tracks der Pumpkins nie abgeneigt war, der wird hier belohnt und findet seine Momente.

"Ogilala" wird digital sowie physisch als CD und als 180 Gramm Gatefold Vinyl erhältlich sein. Eine limitierte Auflage opaque blauer Vinyle wird direkt über Corgans Online Shop erhältlich sein. Und eine limitierte Auflage pinker Vinyle wird bei ausgewählten Indie Händlern erhältlich sein.

Album-VÖ: 13.10.2017