(Spinefarm Records)

Seit dem Release des letzten Albums “Time And Trauma“ in 2015 sind schwere Zeiten bei den vier Bandmitgliedern aus Alaska angebrochen. Vor allem Sänger Brock Lindow hat es hart getroffen.
“It was extreme depression. I got divorced after 13 years. That tailspun me a little bit. A number of things happened that I wasn’t used to. I’m a pretty upbeat guy, and I’m not accustomed to that feeling. It was a difficult writing process for me.“

Diese depressive dunkle Grundstimmung zieht sich wie ein roter Faden durch “LANTERNS“. Aber da Musik bekanntlich die beste Therapie ist startet die Platte nicht mit einem schimmernden Laternenlicht, sondern direkt mit der Blendgranate 'Death Eater'. Der Opener sollte nicht nur Harry Potter Fans aufhorchen lassen. Direkt von Beginn an wird musikalisch jede erdenkliche Tür eingetreten. Kompromisslos, rau und teilweise verzweifelt growlt Lindow sich den ganzen Frust von der Seele. Begleitet von gewohnten groovigen Riffs wechselt der Gesang von tiefen Screams zu melodischem Gesang in typischer 36 CF Manier. Das Entree der Platte ist gleichzeitig einer der roughsten und aggressivsten Tracks auf “LANTERNS“.

Und ähnlich hart geht’s es auf dem Album mit Songs wie 'Better Run' weiter. Hier ist vor allem der Einfluss von Gitarrist, und treibender Kraft im kreativen Prozess, Steve Holt erkennbar. Eine gelungene Mischung aus Groove, Rock Parts und gut ausbalancierten Gitarrenparts geben dem Ganzen einen modernen Anstrich.

Photo by Bobby Bates Photography

Nach über 20 Jahren auf den Bühnen und Plattenspielern dieser Welt ist dem Hörer auch bewusst, dass nicht das ganze Album ein Gewaltakt wird. Auch hier werden wieder Post-Hardcore und Akustik Tracks zelebriert. Wer sich dort eher zu Hause fühlt sollte sich 'Walk Away From Wars' und den Akkustiksong 'Where Revenge Ends' anhören. Die Songs sind durchzogen von der vorher avisierten dunklen Grundstimmung und einer tiefen Emotionalität die sich wie ein Schleier über die zwölf Songs legt. Allein schon ein Blick auf die Songtitel verrät, dass dieses Album nichts mit guter Laune zu tun hat. 'Below The Graves' oder 'Dark Corners' sprechen doch eine deutliche Sprache.
Nach dem starken Auftakt mit dem durchaus zu erwähnenden 'Sea And Smoke', welches auch musikalische Variabilität der Band verdeutlicht, baut “LANTERNS“ leider etwas ab. Liegt vielleicht auch daran, dass der Hörer sich gedanklich noch mit den ersten Tracks auseinandersetzt, laufen die kommenden Tracks eher durch als wirklich zu catchen. Im Gedächtnis bleiben aber auf jeden Fall die starken Gitarrensoli auf 'Laying Hands' und die Rhythmik auf dem zuvor schon erwähnten 'Below The Graves' welches einen leckeren Geschmack von Pantera hinterlässt.

'Death Eater' ist meiner Meinung nach der stärkste Track auf dem Album und wird unter Garantie eine Live-Bombe! Zusammenfassend ist es ein gutes Album, welches in keiner Phase sein Niveau oder an Elan verliert. Allerdings könnte vor allem im zweiten Teil von “LANTERNS“ etwas mehr passieren.

Album-VÖ: 29.09.2017