(Hopeless Records/ Soulfood)

ROAM also auch noch. Damit wäre das PopPunk-Jahr 2017 dann auch wirklich mal langsam abgefrühstückt. Im Prinzip könnte ich mein Rezensionsmaterial bezüglich Knuckle Puck, Neck Deep oder Seaway hier hereinkopieren, Band- und Songnamen ändern - fertig! Nun kann man ROAM nicht vorwerfen, dass sie der Auslöser für einen Übersättigungseffekt sind - das wäre unfair. So werde ich mich also mit dem zweiten Studioalbum "Great Heights & Nosedives" beschäftigen, in der Hoffnung Nuancen zu entdecken, die mir das Genre weiterhin bzw. wieder schmackhaft machen.

Mit 'Alive' und 'Left For Dead' ist schon einmal ein druckvoller Start eingeläutet. Hier sitzen die Chöre, die Melodien laufen von selbst in den Gehörgang und der Chorus macht den Sack zu. Eigentlich gibt es daran überhaupt nichts auszusetzen - das ist sicherlich mit viel Herzblut und Spass an der Sache vorgetragen, das Problem liegt auch nicht bei der Band, sondern ist der Beliebigkeit und der Austauschbarkeit geschuldet. Wenn man nicht wüsste, dass hier Songs der Band ROAM einem den Tag versüßen, wäre es unmöglich herauszufiltern, wem die Kompositionen zuzuordnen sind.

Irgendwie macht "Great Heights & Nosedives" auch Laune, denn die College-Rock infizierten 'Guilty Melody' oder 'Curtain Call' sind wahrlich keine schlechten Songs. 'Open Water', 'Flatline' und 'Why The World Keeps Spinning' könnten sogar dazu dienen, dass die Engländer ROAM einen minimalen Wiedererkennungswert generieren. Dafür müsste allerdings gesangstechnisch noch etwas gefeilt werden, weil Sänger Alex Castello wie die Kopie der amerikanischen Kollegen klingt und somit zu wenig Charakter mitbringt.

Roam_Photo_by_Jordan_Hughes

Roam Photo by Jordan Hughes

"Great Heights & Nosedives" von ROAM ist der Beweis dafür, dass die britischen Inseln momentan im modernen PopPunk die Nase vorn haben und konsequent abliefern. Allerdings müssen die Genrekollegen und Landsleute (ROAM eingeschlossen) aufpassen, dass sie den Bogen nicht überspannen und die beginnenden Abnutzungserscheinungen schnellstens mit neuen Ideen füllen, denn spätestens jetzt wird klar, dass sonst die PopPunk-Community ganz schnell ausbluten könnte.

Album-VÖ: 13.10.2017