(The Sign Records/ Cargo)

Es gibt diese zeitlose Musik, die sich nicht ständig neu erfinden muss, sondern gerne mit allen Klischees spielen darf. Wenn das dann noch mit einer Catchyness kombiniert wird, die dich sofort mitreissen kann, spricht nichts dagegen eine Kopie des Plagiats zu sein. 🙂

HONEYMOON DISEASE aus Schweden haben für sich den Retro-Sound gefunden. Und wer The Sweet, Thin Lizzy und den Schweinerock (wer hat das Wort eigentlich ursprünglich kreiert?) von Gluecifer und The Hellacopters perfekt mixt, dazu eine weibliche Röhre am Mikro hat und die 70er/80er-Jahre aufleben lässt, kann damit rechnen, dass das neue Album "Part Human, Mostly Beast" seine Käufer finden wird.

Den warmen und atmosphärischen Sound hat Ola Ersfjord (Imperial State Electric, Dead Lord) produziert und gibt dem Album die notwendige Authentizität.

Wenn die ersten drei Songs durchgelaufen sind ('Doin' It Again', 'Only Thing Alive' und 'Tail Twister') kann man seinen Ersteindruck mitteilen und feststellen, ob man das Gehörte mag. So handhabe ich es zumindest und konnte bisher immer subjektiv einschätzen, ob ein Album meine (weitere) volle Aufmerksamkeit bekommt. Bei HONEYMOON DISEASE sitze ich ein wenig zwischen den Stühlen - denn obwohl mir die Songs sehr zusagen, wirken sie teilweise ziellos. Der Weg zum Chorus wird konsequent und gradlinig gegangen, allerdings verpufft der Effekt etwas. Ich kann es noch nicht mal näher erläutern, woran es liegen könnte - ist eher das Gefühl, das die Songs unfertig klingen.

'Rymdvals' lässt Led Zeppelin wiederaufleben, 'Four Stroke Woman' rockt sich lupenrein durch den Song, während 'Night By Night' in bester Früh-80er-Sleaze-Tradition eine sich steigernde Powerballade präsentiert. Für Abwechslung ist also gesorgt. 'Electric Eel' zum Abschluss hat dann sogar Twin-Gitarren am Start und ist mit der beste Song.

Bedauerlicherweise fehlt mir im Gesang der Ausdruck (oder nennt es Emotion) - weswegen ich mich nicht abgeholt fühle und die Musik an mir zum Teil vorbeiläuft.

Honeymoon_Disease_Photo_courtesy_of_The_Sign_Records

Honeymoon Disease Photo courtesy of The Sign Records

Für Fans von Thundermother, Dead Lord oder The Answer gibt es auf "Part Human, Mostly Beast" sicherlich viel zu entdecken. Leider versäumen es HONEYMOON DISEASE einen richtigen Punch zu setzen - der nötige Schwung fehlt, um aus dem Überangebot der aktuellen Retro-Bands hervorzustechen. Handwerklich sehr solide, leider ohne das gewisse Extra.

Album-VÖ: 27.10.2017