(Fat Wreck Chords/ Edel)

Das Konzept des Split-Albums ist leider etwas aus der Mode geraten. Was gab es doch für großartige Compilations: Rancid/ NOFX, Alkaline Trio/ Hot Water Music oder The Bouncing Souls/ Anti-Flag. Fat Wreck Chords lassen den Spass wieder aufleben und schicken zwei Bands ins Rennen, die zu den absoluten Aufsteigern der letzten paar Jahre gehören. PEARS und DIRECT HIT geben sich die Ehre und zocken jeweils 6 neue Songs (inkl. gegenseitiges covern). PEARS sind eher dem Hardcore-Punk zugetan, schütteln aber teilweise umwerfende Melodien aus dem Handgelenk. DIRECT HIT versuchen sich meistens im PopPunk, lassen aber desöfteren ihre aggressive Art zum Zuge kommen. Somit beste Voraussetzungen für ein spannendes Release.

Das erste halbe Dutzend auf "Human Movement" gehört DIRECT HIT. Und die zerlegen gleich zu Beginn mit 'You Got What You Asked For' innerhalb einer Minute sämtliche Erwartungshaltungen. Schön angepisst wird sich in bester Lifetime-Manier durch den Song geprügelt. Darauf folgt 'Blood On Your Tongue' - Temporeduzierung und Melodien sorgen für die ersten ekstatischen Beinzuckungen. Man ist jetzt mittendrin und feiert den Sound, der zwischen The Lawrence Arms und Blink 182 angesiedelt ist. DIRECT HIT bleiben sich im weiteren Verlauf ihrer Intention treu - kurze prägnante Geschosse wie 'You're Boring' werden mit enorm partytauglichen PopPunk-Knallern ('Shifting The Blame') kontrastiert. Feine erste Hälfte.

Dann kommen PEARS, die ja 2015 mit ihrem Album "Green Star" eines der besten Punkrock/Hardcore-Werke des Jahres abgeliefert haben. Überraschend frisch mit den richtigen Ideen zur besten Zeit. Mal sehen, ob sie diesen Schwung auch auf "Human Movement" rüberretten konnten.

Auch PEARS lassen sich nicht lumpen und feuern aus allen Rohren. Ihren Part auf dem Split-Album eröffnen sie mit 'Hey There, Begonia' und 'Mollusk's Mouth' - es ist schon erstaunlich wie es das Quartett aus New Orleans schafft, innerhalb eines Songs mit wenigen Mitteln eine Dynamik aufzubauen, die die Kompositionen über das durchschnittliche Level weit hinausheben. Dort mal ein Break, hier ein Chor oder das komplette Weglassen eines Refrains. Trotzdem wird soviel Wiedererkennungswert generiert, dass PEARS mittlerweile als Referenz gelten müssen. Die Jungs schreiben einfach verdammte Hits ('Arduous Angel' oder 'The World Is Ending' seien als Beispiel genannt).

Um euch einen hörbaren Eindruck zu geben, das angehängte Video, welches beide Bands in einer Rahmenhandlung vereint und DIRECT HIT als auch PEARS jeweils einen Song performen lässt:

Knapper, aber doch eindeutiger Gewinner dieser Split namens "Human Movement" sind PEARS, die wieder mal zeigen, wie spannender Punkrock mit Hardcore-Kante klingen muss. DIRECT HIT haben ebenfalls fantastische Stücke beigesteuert, können dem Wahnsinn von PEARS aber nicht das Wasser reichen.

Alles in allem eine mehr als lohnende Anschaffung - vielleicht wird ein Revival der Split-Veröffentlichungen eingeläutet, wer weiß!? "Human Movement" zeigt zwei Bands, die mit enorm viel Enthusiasmus und Authentizität ihre besten Songs zur Verfügung stellen und damit eines der Punkrock-Highlights in 2017 abliefern.

Album-VÖ: 03.11.2017