(Impericon Records/ Soulfood)

BEING AS AN OCEAN Fans mussten eine sehr schwere Zeit überstehen - bereits im Sommer sollte das vierte Album "Waiting For Morning To Come" erscheinen, daraus wurde dann aber nichts, unter anderem weil man sich vom eigenen Plattenlabel trennte und die rechtlichen Folgen eine Veröffentlichung daraufhin unmöglich machten.

Nun vertreibt man das Album ganz einfach selber und deswegen hat es so lange gedauert bis nun endlich im November das neue Werk auch als CD und Vinyl hier erscheinen wird. Und ohne zu viel zu verraten: Wer sich auch nur einmal durch dieses Werk gehört hat, kann sich sicher sein, dass das damalige Label die Jungs sicherlich dazu drängen wollte, das Teil gehörig umzuschreiben. "Waiting For Morning To Come" ist nämlich etwas ganz Besonderes geworden und das wird beileibe nicht jeder mögen. Nach der langen Wartezeit werden nun vielleicht viele Hörer mit langen Gesichtern zurückgelassen. Warum das so ist will ich im Folgenden erklären.

'Pink & Red' ist im Endeffekt nur ein Klavierstück und zwar eines, welches mit Umbegungsgeräuschen aufgenommen wurde. Es hört sich so an als ob im Hintergrund jemand Geschirr wegsortiert, dass sorgt für eine ganz eigene Stimmung, die mir persönlich gut gefällt. 'Black & Blue' kommt dann sehr elektronisch daher - nur die Shouts und Instrumente zeugen hier von Rockmusik, sonst erinnert das alles stark an den typischen modernen Dubstep-Song. Nur halt irgendwie deutlich ergreifender, weil hier wieder eine superschöne Atmosphäre erzeugt wird. Die Clean-Vocals stehen deutlich im Vordergrund und Härte muss man hier erst gar nicht erwarten. Wer denkt "nun geht es bestimmt richtig los", der irrt. Denn 'Floating Through Darkness They Seemed To' ist wieder nur ein ganz kurzes Klavierintermezzo und auch das folgende 'Glow' ist ein durch und durch ruhiges Stück Musik, bei dem der Gesang auch schonmal rückwärts abgespielt wird.

'And Fade Away When Morning Came' besteht wieder nur aus Klavierklängen, einem kleinen Beat und ein paar Kinderstimmen, versprüht aber eine wunderbare Atmosphäre. 'OK' wurde ja bereits vorab veröffentlicht und ist daher auch das erste Lied, welches mehr in die gewohnte Richtung geht - dabei aber auch nie zu hart wird und somit die sanfte Grundstimmung beibehält. Auch der Elektronikeinfluss bleibt überdeutlich vorhanden. 'As Though Each Of My Problems Would Slip Away' erinnert uns dann daran, dass das Klavier uns wie ein roter Faden bei unserer Reise begleitet. Gerade diese kurzen Stücke erinnern an beste Filmmusik und könnten emotionaler nicht sein. Sie fügen sich aber auch einfach perfekt in das Gesamtkonstrukt ein, welches mit 'Dissolve' weitergeführt wird. Eine sehr balladeske Fortsetzung, die einen weiter zum Träumen animieren kann, obwohl sie für die Verhältnisse dieser CD schon etwas härter ist.

'Thorns' ist ein weiteres Beispiel dafür, dass man sich auf eigentlich alle Lieder einlassen muss, um mit ihnen Spaß haben zu können. Wenn Kinderstimmen auf Shouts und Glockenklänge treffen und die Stimmung auf einmal extrem düster wird, ist das einfach nicht Jedermanns Sache. Aber etwas ganz Besonderes ist es auf jeden Fall. 'eB tahT srewoP ehT' läuft nicht wenig überraschend rückwärts und ist damit ein weiteres Experiment welches ein bisschen Arbeit zum Verstehen bedarf. Sanfte Gitarrenklänge gibt es mit 'Suddenly, I Was Alone' und das über satte fünf Minuten, wobei die Musik immer düsterer wird und die Traurigkeit bestens zum Ausdruck bringt.

'Blacktop' ist dann nicht mehr so bedrückend, wozu die elektronischen Elemente eine Menge zu beitragen. Und da ist dann auch das finale Klavierintermezzo mit 'I Saw Before Me, A Bright Red Light, And Silently I Stood', bevor mit 'Waiting For Morning To Come' das abschließende Lied dieses Experiments beginnt. Dieses ist dann eher klassisch, doch am Ende wirft es uns mit einer eingefügten Jazz-Aufnahme raus. Dieses Album "normal" zu beenden, hätte sich auch nicht richtig angefühlt.

 

Es ist absolut unmöglich "Waiting For Morning To Come" nach nur einmaligem Hören zu bewerten. Die Erwartungshaltung macht einem da einfach alles kaputt. Wenn man allerdings weiß das einen hier eher ein Experiment oder gar ein Kunstwerk erwartet, geht man gleich ganz anders an die Sache.

Dann ziehen einen die ruhigen und sanften Klänge gepaart mit den Shouts wahrlich in den Bann. Man muss sich aber komplett auf die Musik konzentieren können, so mal nebenbei beim Autofahren hören, ist hier einfach nicht möglich. Und genau diese Gründe sprechen dafür, dass das alte Label das Album wohl so nicht veröffentlichen wollte. Man sollte dieser CD auf jeden Fall mal eine Chance geben, es handelt sich nämlich um wundervoll gemachte Musik. Zum Abschluss noch eine Sache: Wer sich über die komischen Liedtitel gewundert hat, sollte im Hauptabsatz dieser Kritik mal nur die dick gedrucken Wörter lesen.

Album-VÖ: 03.11.2017