(Laute Helden / SPV)

Ich habe mich dazu hinreißen lassen, mich freiwillig und mit Begeisterung für die Rezension des Albums "Neue Deutsche Herrlichkeit" von HERREN zu melden. Zu groß war die Neugier, wie sich Hubert Kah (vielen bekannt aus der Neuen Deutschen Welle mit Hits wie 'Sternenhimmel' oder 'Rosemarie') als Frontmann einer Band aus dem Bereich Neue Deutsche Härte macht. Das Ergebnis ist nicht weiter verwunderlich, hatte ich ähnliches doch bereits befürchtet: Heino und Witt haben es bereits vorgemacht, wie man kommerziell erfolgreich auch in andere Gefilde gehen kann - und so werden es wahrscheinlich auch HERREN mit Hubert Kah am Mikrofon tun: Besser macht das aber weder die Musik, noch den Gesang oder die Texte. Es wird vermutlich trotzdem Abnehmer finden. Gehen wir näher ins Detail:


Das größte Lob darf man wohl der Instrumentalfraktion zusprechen. Hier haben wir es mit klischee-bedienenden, völlig uninspirierten NDH-Riffs von der Stange zu tun. In der traurigen Realität bedeutet das also, man bekommt genau das, was man erwartet bzw. wonach man verlangt hat. Als wären wir im Jahr 1995 und als hätte es die letzten 6 Alben von Rammstein nicht gegeben, werden hier Ideen durchgekaut, die man alle schon kennt. Lustiges Quiz beim Hören der HERREN ist, herauszufinden, von welchem Song sie sich direkt haben leiten lassen. Dass hierbei die “Flake-Features” absolut wie aufgesetzte Fremdkörper wirken, trägt nicht gerade zu einem in sich stimmigen Gesamtbild bei.
Dies und der teilweise zu dominante Gesang verweisen die Produktion der Scheibe auch auf den zweiten Platz der “Least gruselig”-Charts zu diesem Album. Produzent Alex Lysjakow wusste scheinbar auch nicht unbedingt, was er genau mit diesem Produkt anfangen sollte, so hat er versucht, einen goldenen Mittelweg zu gehen, zwischen Charts und Metalalbum.

Photo by Carsten Stolze


Hubert Kah als Sänger… Das war ja der grundlegende Anstoß überhaupt das Album zu begutachten. Grundsätzlich ist seine Leistung gar nicht sooooo schlecht, wirkt aber von vorne bis hinten affektiert, gekünstelt, aufgesetzt. So “widerwärtig” er seine Stimme auch klingen lässt, was zu den Texten perfekt passen mag: Ich nehme ihm nicht eine Silbe dessen ab. Das ist alles zu sehr gewollt, als hätte man die Zielsetzung gehabt, Rammstein in diesem Bereich zwingend toppen zu müssen (übrigens auch eine Kritik, die ich an Lindemann zu üben hatte).


Textlich erweist sich "Neue Deutsche Herrlichkeit" wie ein ekeliger Schmuddelporno, vielleicht sogar Snuff-Film. Bei aller Liebe und allem Respekt, aber diese Wiese haben Rammstein echt schon komplett abgegrast - und wenn man hier noch irgendwas Neues beisteuern möchte, dann bitte mit Niveau, und nicht so etwas blasses, kitschiges, ekeliges. Spätestens hierbei möchte ich schnellstens das Thema vom Tisch haben, um mich nicht weiter damit befassen zu müssen. War es musikalisch auch noch “in Ordnung”, so kickt man sich mit Gesang und Text völlig ins Aus. Aber wie gesagt: Vermutlich wird das ganze trotzdem seine Abnehmer finden. Ich kann nicht einmal behaupten, dass ich im Nachgang enttäuscht bin vom Album, denn ich hatte keinerlei Erwartungen, und die wurden auch genau so erfüllt. Für halbwegs saubere Riffs und eine mittelmäßig gute Produktion gibt es dennoch ein paar Blitzchen…


Album-VÖ: 17.11.2017