(Epitaph Records/ Indigo)

Nach 22 Jahren (!!!) - in Worten: zweiundzwanzig - sind sich QUICKSAND nicht zu schade, um ihr drittes Studioalbum "Interiors" herauszubringen. Eine Live-Reunion ist seit 2012 immer mal wieder zu beobachten, aber das jetzt auch neue Musik geschrieben wurde, ist schon eine kleine Sensation.

Hauptakteur Walter Schreifels dürfte eigentlich mit seinen anderen Bands und Projekten (u.a. Rival Schools, Youth Of Today, Gorilla Biscuits, Walking Concert, Vanishing Life) genug zu tun haben, aber er scheint auch unbedingt QUICKSAND reaktivieren zu wollen. Mal sehen, ob "Interiors" an die Klassiker "Manic Compression" (1995) und "Slip" (1993) anschliessen kann.

'Illuminant' erzeugt mit seinem durchgehend stoischen Riff einen Sog, dem man sich schwer entziehen kann. Herr Schreifels lässt seine emotional-aufgeladene Stimme über allem schweben. Die Rhythmusfraktion sorgt für den nötigen Punch. Das erinnert an Fugazi oder ältere Helmet und wirkt gerade deswegen so vertraut und heimelig. Es ist einfach ein "Nach-Hause-kommen".

'Under The Screw' setzt punktgenau an den Sound des ersten Songs an. Vielleicht etwas dissonanter, aber mit genug Wiedererkennungswert, um QUICKSAND sofort zu erkennen. Der Post-Core-Wahnsinn geht mit 'Warm And Low' weiter, wobei nach drei Tracks etwas der Sensationseffekt nachlässt, weil keine großen musikalischen Überraschungen geboten werden.

Und dann kommt auf einmal 'Cosmonauts' um die Ecke, der Song, der dich sofort gefangennimmt und dort abholt, wo du auf melancholische QUICKSAND-Sounds gewartet hast. Eine große Komposition, die Gänsehaut entstehen lässt, die dich berührt und lange nachhallt. Verdammter Hit würde ich behaupten.

Der Titeltrack rollt dann unaufhaltsam heran und entwickelt sich zu einem Song, der teilweise klingt als wenn The Flaming Lips Oasis covern würden. Das Bassspiel ist sehr differenziert und treibt 'Interiors' energisch vor sich her. 'Hyperion' nimmt den Faden auf und treibt die Rückbesinnung in nostalgische 90er-Post-Core-Zeiten auf die Spitze.

'Sick Mind' ist auf einer Seite konfus, auf der anderen Seite abgeklärt - passen tut hier nichts und deswegen genauso überflüssig wie die beiden Interludes '>' und '>>', die die Dynamik des Albums unnötig einbremsen.

Der letzte Track auf "Interiors" namens 'Normal Love' gehört in die Sparte der Songs, von denen man aufgrund fehlender Einordnungsmöglichkeiten behauptet, dass "er mit jedem Hören wächst". Und hier trifft die Phrase auch zu.

Quicksand_Photo_by_Cecilia_Alejandra

Quicksand Photo by Cecilia Alejandra

Aufgrund des Legendenstatus wäre vielleicht eine höhere Bewertung angemessen, allerdings kann ich in "Interiors" kein Meisterwerk erkennen. Es soll Menschen geben, die sich schon länger einhören konnten, weil ein Leak schon vor zwei Monaten verfügbar war - möglicherweise wächst das Album mit der Zeit (da haben wir es wieder 😉 ) und wird in einigen Jahren ebenso wie seine Vorgänger als Klassiker gefeiert. Aktuell kann ich keine unbedingte Sensation ausmachen.

Album-VÖ: 10.11.2017