(Roadrunner Records/ Warner Music)

Ab und an eine gute konventionelle Alternative-Rock-Scheibe aufzulegen, um sich vom alltäglichen Stress abzulenken und sich im besten Fall die Ohren durchpusten zu lassen ohne an anspruchsvollen Kompositionen zu verzweifeln, ist manchmal notwendig und gut. Dann holt man Longplayer von Foo Fighters, Stone Sour oder Alter Bridge hervor und lässt sich berieseln. Der Peinlichkeitsfaktor beginnt dann bei Nickelback, Creed oder Puddle Of Mudd - und irgendwo dazwischen gibt's Bands wie Hinder, Seether oder eben THEORY OF A DEADMAN. Zumindest bisher.

Das sechste Album im 17. Jahr hört auf den Namen "Wake Up Call". THEORY OF A DEADMAN
wollen ihren Style verfeinern und sich nicht nur auf den bekannten und klischeebehafteten Rock-Strukturen ausruhen. Klar hat das Quartett auch schon mit Country- oder Akustik-Elementen gespielt, aber eine Weiterentwicklung, um evtl. neue Käuferschichten zu akquirieren, scheint mit dem aktuellen Album das übergeordnete Ziel zu sein.

ich kann nicht einen Act benennen, der momentan in den aktuellen Single-Charts vertreten ist, weil ich mich nicht dafür interessiere, was im Formatradio läuft oder im tiefergelegten Golf von irgendwelchen Bürokaufmänner (und -frauen) aus den Bose-Boxen knallt. Wenn ich jetzt allerdings raten müsste, dürfte der Rotz verdammt ähnlich nach dem klingen, was THEORY OF A DEADMAN innerhalb von vier Songs ('Straight Jacket', 'Rx', 'Echoes' und der Titeltrack) gleich zu Anfang ihres Album bereitstellen. Schlimmster Radio-Pop, der fast keine Gitarren mehr parat hat, nach neuesten Produktionsstandards hochgetunt ist und teilweise mit "hippen" Sprechgesang eklig abgerundet wird.

Selbst Maroon 5 oder Sunrise Avenue haben mehr Power im Arsch, als diese Frechheit von TOAD. Das geht in Richtung von Justin-Music (Bieber/Timberlake) und ist kaum auszuhalten. Wenn ich die CD geschenkt bekommen würde, wäre sie zwei Sekunden später unten an der Strasse zur kostenlosen Mitnahme - wobei ich sie eigentlich verbrennen müsste, damit niemand mehr belästigt werden kann.

Da ich meinen Job als Rezensent ernst nehme, quäle ich mich auch noch durch den Rest dieses Machwerks, obwohl dies an Körperverletzung grenzt. Und siehe da - nichts! Auch die Coverversion von 'Wicked Game' (Chris Isaack) wird kolossal in die Grütze gefahren. Stark!

Theory_Of_A_Deadman_Photo_courtesy_of_Roadrunner_Records

Theory Of A Deadman Photo courtesy of Roadrunner Records

Keine Ahnung, ob THEORY OF A DEADMAN eine Wette verloren haben und als Wetteinsatz versprochen haben, das schlechteste Album in diesem Jahr aufzunehmen (und erinnert euch: Es gab schon Hollywood Undead). Jedenfalls ist "Wake Up Call" ein verdammt schlechter Witz und ab nun möchte ich den Mantel des Schweigens darüber legen. Ich weigere mich, Blitze zu vergeben!

Album-VÖ: 27.10.2017