(Burning Heart Records/ Plastic Head/ Soulfood)

Burning Heart Records war das europäische Vorzeigelabel in Sachen Punkrock/ Hardcore/ Ska - im Labelroster waren Bands wie Millencolin, Refused, Satanic Surfers oder Liberator. Im Jahr 2010 war dann Feierabend, was u.a. auch daran lag, dass die zugkräftigen Namen von internationalen Labels weggelockt worden sind. Die Reaktivierung erfolgte 2014 und löste leichte Euphorie in der Szene aus, allerdings ist seitdem enttäuschenderweise nicht wirklich viel passiert. Veröffentlichungen von Booze & Glory, Walking With Strangers oder Giuda waren das höchste der Gefühle - kein Konzept, keine Liebe zum Detail. Irgendwie scheint die Luft raus zu sein.

Ein neuer Aufschwung könnte durch BUSTER SHUFFLE initiiert werden. Denn die Londoner Ska-/Soul/Punk-Institution wird ihr neues Album "I'll Take What I Want" über das schwedische Label herausbringen.

Wenn man sich die Track-Anzahl und die Laufzeit des Albums anschaut, könnte das schon ein Hinweis darauf sein, wie kurzweilig BUSTER SHUFFLE sind. Da wird nicht lange rumgeeiert, sondern es wird direkt zum Punkt gekommen. Sehr sympathisch. Der Einsteiger heißt 'I Don't Trust A Word You Say' und startet gutgelaunt mit Piano-Unterstützung und einem Beat, der zum Hüpfen, Klatschen und Tanzen einlädt. 'We Fall To Pieces' macht genauso viel Spass - in Verbindung mit einem an Madness angelehnten Sound und dem wunderbaren London-Working-Class-Slang beim Gesang, sind das einfach positive Vibes, die in der dunklen Jahreszeit dankend aufgesogen werden.

So wie die ersten beiden Songs, klingt auch die erste Hälfte vom Album - BUSTER SHUFFLE haben keine Lust, sich in ein starres Soundgewand zu kleiden und schaffen es spielerisch und immens kreativ für durchgehende Abwechslung zu sorgen. Die Refrains sitzen und laden zum Mitsingen ein - die hintergründige Punkrock-Klangfarbe sorgt für die notwendige Power. Deswegen sind Tracks wie 'See You Next Week', 'The Tables Have Know Turned' oder 'The Estate' trotz aller Vorhersehbarkeit ein Riesenspass.

In der zweiten Hälfte von "I'll Take What I Want" schleichen sich dann Songs ein, die nicht ganz so treffsicher sind - sie verlieren sich in Albernheiten, die dem bisherigen Albumverlauf leider etwas den Charme nehmen ('Banana Thief' klingt wie von Monty Python intoniert, 'Your Mommy Is So Hot For Me' glänzt schon nicht mit dem intellektuellsten Titel und überzeugt auch musikalisch nur leidig). Zudem nervt der 'Outro Song' so sehr, dass man sich zweimal überlegt die Repeat-Taste zu betätigen.

Buster_Shuffle_Photo_by_Andy_Griffin

Buster Shuffle Photo by Andy Griffin

Hm?! Wie soll ich BUSTER SHUFFLE bewerten? Wenn ich mir "I'll Take What I Want" in Gänze anhöre, bin ich über die zweigeteilte Qualität überrascht. Die sogenannte A-Seite hat massig Hits am Start, während die B-Seite unstrukturiert wirkt und teilweise so klingt, als wenn man absichtlich Füller-Songs geschrieben hätte. Da in mir ein ambivalentes Gefühl tobt, ich die Band im Grunde meines Herzens aber sehr mag, bekommt sie einen halben Bonus-Sympathie-Blitz.

Übrigens: Einen Kickstart wird Burning Heart Records auch mit dieser Veröffentlichung nicht hinlegen.

Album-VÖ: 24.11.2017