(Abbey Records/ Al!ve)

Ihr habt mal wieder Bock auf britischen Rock, der sich was traut oder zumindest spannend genug klingt, um euch wach zu halten? Vielleicht ist dann "Stargazing For Beginners" von der aus Southampton stammenden Band PALE | SEAS das Richtige für euch!

Denn 'Into The Night' als erster Song bringt schon soviel Eleganz und klug verpackte Theatralik mit, dass man sich (auch stimmlich) an die Großtaten von Suede erinnert fühlt. Zuweilen schwirrt mir auch der Name Francesco Wilking (seines Zeichens ehemaliger Tele-Frontmann) durch mein Langzeitgedächtnis, da die Modulation beim Gesang sehr ähnlich dem des PALE | SEAS-Sängers ist.  Somit ist der Ersteindruck abgefrühstückt und man kann sich an den folgenden Tracks satt hören - denn das Quartett hat noch einiges an Material aufgefahren.

Ein wenig Shoegaze ('My Own Night') und zwei veritable Hits ('Someday' & 'In A Past Life') folgen. Die Songs sind sehr zurückgenommen und entwickeln durch ihre gewollte Behäbigkeit einen Sog, auf den man sich gern einlässt. PALE | SEAS schreiben keine Songs zum Hüpfen, sondern bedienen eher die Teilnehmer einer Engtanz-Party. 'Blood Return' ist mit einer leise gezupften Akustik-Gitarre untermalt, ansonsten wird A-Capella ein melancholisches Stück Musik kreiert. Das nachfolgende 'Bodies' ist ein fantastisches Beispiel dafür, dass man mit geringen Mitteln einen Song schreiben kann, der beim ersten Hören positiv besetzte Emotionen auslöst. Dieser Track hätte Death Cab For Cutie zu "Transatlanticism"-Zeiten ebenfalls sehr gut gestanden. Gänsehaut und Hit! Den Titeltrack kann man dagegen ungehört in die Tonne kloppen, da hier Sigur Ros-artige Klänge aneinandergereiht werden ohne allerdings einen Funken Dynamik zu erzeugen.

'Animal Tongue' und 'Heal Slow' fangen den kurzfristigen Bruch allerdings galant auf und können wieder mit dem Händchen für ausschweifende Instrumentierung in Verbindung mit fokussierter Melodieführung punkten. Sehr schöne Songs, die perfekt in die Jahreszeit passen ohne Gefahr zu laufen, den Zuhörer in Depressionen zu stürzen.

Pale_Seas_Photo_by_Hollie_Fernando

Pale Seas Photo by Hollie Fernando

Zum Abschluss zeigen PALE | SEAS noch eine weitere Facette ihres Könnens. 'Evil Is Always One Step Behind' ist wunderbarer Post-Rock, der sich auf einen fulminanten Spannungsaufbau und die daraus resultierenden Eruptionen konzentriert - die Umsetzung ist mehr als gelungen und ein würdiges Ende einer spannenden Platte namens "Stargazing For Beginners".

Album-VÖ: 24.11.2017