Es ist ein kalter und verregneter Abend in Berlin. Zudem herrscht reger Feierabendverkehr, als ich von meiner Wohnung zum Platz der Luftbrücke aufbreche. Eine ungünstige Ausgangslage für den Berliner Nahverkehr und somit wenig überraschend, dass der Bus sich um 20 Minuten verspätet.

So erreiche ich das überraschend gut gefüllte Columbia Theater auf die Minute genau und bestelle Bier zu den ersten Tönen des special guest Tim Neuhaus. Leider ist der Sound bei diesem ziemlich dumpf und vor allem der Gesang nur sehr schlecht zu verstehen, sodass meine Freundin mich irgendwann sogar fragt, ob er Englisch oder Deutsch singt. Das macht sich scheinbar auch beim auf den Auftritt folgenden Soundcheck für KETTCAR bemerkbar, denn dieser dauert fast solange wie der Auftritt von Tim Neuhaus an sich. Teile des Publikums werden ungeduldig und von irgendwo hallen pfiffe.

Als KETTCAR dann endlich um 21:15 Uhr Ihre Show beginnen, hat der Sound dafür fast Album Qualität und die lange Wartezeit ist nach den beiden "Best Of" tauglichen Openern 'Balkon gegenüber' und 'Graceland' vergeben und vergessen. Es folgt die erste Ansprache zum Publikum durch Frontmann Marcus Wiebusch - man werde gleich zwei Liebeslieder am Stück spielen, das erste mit einem Happy End, das zweite, Achtung Spoiler: ohne. Zwei Liebeslieder am Stück, das wäre insofern erstaunlich, da man ja neuerdings eine Polit-Punk Band sei. Der Witz kommt an!

Es folgt das eigentliche Rahmenprogramm und die Band spielt ihr gesamtes neues Album "Ich Vs. Wir" runter. Durch Bassist und Sänger Reimer Bustorff erfährt man dabei die Enstehungsgeschichte zur Albummitte 'Auf den billigen Plätzen' - der Song sei bei einem Morrissey Konzert in Hamburg entstanden. Man hatte sich extra teure Sitzplatzkarten für die 6. Reihe besorgt, eine super Sicht auf die Bühne war gegeben und der Weg zur Bar sehr kurz. Alles war perfekt! Doch dann, zum Konzertbeginn, strömten die Massen "auf die billigen Plätze" vor die Bühne und man selbst sah nix mehr. Eine witzige Anekdote zu einem guten Song. Insgesamt vom Publikum am meisten zelebriert wird, wenig überraschend, 'Sommer '89 (Er schnitt Löcher in den Zaun) und im Publikum findet sich mit Tomte Frontmann und Grand Hotel van Cleef Mitgründer Thees Uhlmann sogar Prominente Unterstützung. 

Es schließt die obligatorische Zugabenrunde an und KETTCAR mit den Songs 'Ich danke der Academy''Money Left To Burn''Deiche''Kein Außen mehr' und 'Landungsbrücken raus' ein erfolgreiches Konzert ab. Schön war's!