(Capitol Records)

Im vorweihnachtlichen Veröffentlichungswahn erscheinen bekanntermaßen hunderte Best Of Sets, Limeted-Boxen, Re-Releases und sogenannte Deluxe Editions. Die Kuh muss halt gemolken werden, so lange sie noch Milch gibt. Und in Zeiten von Spotify und Co., muss man schon eine verdammt gut ausgebildete Kuh auf der Weide haben, damit sich dieses Geschäft überhaupt noch lohnt. Bei AVENGED SEVENFOLD könnte das allerdings ein durchaus lukratives Geschäft sein.

Bereits seit einem Jahr kann man sich mit der normalen Version von "The Stage" vergnügen. Auch mit etwas Abstand kann man das Werk als durchaus ordentliche Platte titulieren. Sicher nicht das beste von A7X, aber auch keine Ausschussware. Elf solide produzierte Tracks, bis auf das eigentümlich leise daherkommende Drumming. Irgendwo beheimatet zwischen Metallica und Audioslave. Knallhartes Geknüppel ('The Stage', 'Creating God') und Quoten-Balladen ('Angels'; 'Roman Sky') geben sich die Klinke in die Hand. Im Prinzip kann sich hier jeder Fan bedienen und seine Favoriten rauspicken, wenn er sich seine persönliche Best-Of A7X Playlist zusammenstellt. Irgendwas von diesem Konzept Album wird es wohl in diese Liste schaffen. Denn auf der Habenseite dieses Albums steht eindeutig der erweiterte Bandsound: Saxofone, Industrialeinflüsse und selbst Latin-Sounds finden sich auf dem Album wieder. Auf der anderen Seite stehen jedoch auch einige Passagen, die einen schon mal zur Uhr blicken lassen. Aber unter sechs Minuten machen es M. Shadows und seine Weggefährten eh nur selten. Gerne eher länger.

Aber kommen wir zum „Deluxe“ Part dieses Re-Releases: Sieben zusätzliche Songs aus dem Studio, plus vier bisher unveröffentlichte Live-Aufnahmen eines Konzertes, welches die Band in der Londoner O2 Arena gespielt hat.

Bei den Studionummern handelt es sich um sechs Coverversionen und den bisher unveröffentlichten Track 'Dose'. 'Dose' wartet jetzt zwar nicht mit neuen Erkenntnissen über die Band auf und hätte, trotz Konzept, genauso auch an jeder anderen Stelle auf "The Stage" erscheinen können. Dennoch ist es ein guter Track:

Das folgende 'Retrovertigo' ist ein Cover der Band Mr.Bungle aus dem Jahr 1999. Der ursprünglich sehr langsam angelegte Track bekommt hier eine ordentliche Frischzellenkur und funktioniert, dank Shadows Ausnahmeorgan und dem breit angelegtem Arrangement, bis hin zum Glockenspiel, wunderbar. 'Malaguena Salerosa' kennt man aus Kill Bill oder From Dusk Till Dawn, wirkt bei AVENGED SEVENFOLD allerdings wie ein Treppenwitz. Die spanische Gitarre im Metalgewand will in meine Ohren irgendwie nicht funktionieren. Noch eigentümlicher wird es mit dem Del Shannon Rock and Roll Klassiker 'Runaway'. Doppelte Geschwindigkeit und dennoch fast eine Minute länger als das Original. Hier ist es allerdings erstaunlich, wie gut die Gitarre die Orgel aus dem Original ersetzt. Den Stones Smasher 'As Tears Go By' kannte man bereits als Live-Aufnahme, ebenso den Pink Floyd Evergreen 'Wish You Were Here'. Beide Version kommen zwar nicht schlecht, müssen sich aber hinter den jeweiligen Originalen anstellen. Man schafft es einfach nicht diese Herzschmerzmelancholie der Originale zu erzeugen. Und auch an den Beach Boys ('God Only Knows') verhebt man sich dann fast.

Die Livenummern überzeugen dafür durch die Bank. Obwohl man mit 'The Stage', 'Paradigm', 'Sunny Disposition' und 'God Damn' einfach halber die ersten vier Titel des Studioalbums gewählt hat, werden A7X ihrem Ruf, eine der besten Livebands ihrer Zunft zu sein, mehr als gerecht. Ein normales Livealbum, mit einem sich entwickelndem Spannungsbogen, sehe ich zwar als deutlich wertiger an, aber die Songs geben einen guten Eindruck davon, was einen auf einer aktuellen A7X Show im Jahre 2018 erwarten könnte.

Album-VÖ: 22.12.2017