(VILD Recordings/Cargo Records)

Als hätte man in der Weihnachtszeit nicht schon genug Süßes verschlungen, öffnen HAVE YOU EVER SEEN THE JANE FONDA AEROBIC VHS? direkt zu Beginn des Jahres erneut die Schlickertüte. Der zuckersüße Pop der Finnen treibt den unbedarften Hörer direkt in die Diabetes.

In der Vorabinfo werden HAVE YOU EVER SEEN THE JANE FONDA AEROBIC VHS? als Garage-Punk-Trio beschrieben. Nach den ersten Durchläufen stellt sich allerdings noch nicht einmal die Urlaubsche Frage: Ist das noch Punkrock? - Denn davon ist man weit entfernt. Und auch unter Garage stelle ich mir etwas anderes vor. Meine ersten Assoziationen zum Sound von HYESTJFAVHS? gehen dann eher in Richtung Zirkusmusik und Kettenkarussell. Statt Gitarren gibt es hier nämlich Casio Keyboards und Akkordeon Riffs.

Die Band setzt sich zusammen aus Susanna Stemma-Sihvola (Gesang & Bass), Ekku Lintunen (Keys & Gesang) und Janne-Petteri Pitkälä (Schlagzeug) und veröffentlichte 2015 mit "Teenage Sweetheart" ein Debütalbum, das sowohl in der finnischen als auch in der internationalen Musikpresse Beachtung gefunden hat. Dennoch erzielen die Vorab-VÖs von "Jazzbelle 1984/1988" gerade mal vierstellige Abrufzahlen auf Spotify und Co. Das sich dieses Aufmerksamkeitsdefizit mit dem neuen Album aufheben dürfte, dafür finden sich auf "Jazzbelle" recht wenig Argumente.

Die Songs der Band kommen zwar allesamt unglaublich catchy und eingängig daher, aber spätestens nach der Hälfte des Albums droht einem der Zuckerschock. Hinzu kommt eine teils sehr schlechte Abmischung des Albums, wobei man sich da schon fragen muss, ob das vielleicht sogar gewollt ist. Das verhunzte Ende in der Albumversion der Vorabsingle 'Sheep', kann aber eigentlich nur ein Unfall gewesen sein.

Mit 'Bambi Act' haben die Musiker inzwischen sogar bereits eine zweite Vorabsingle inklusive Video am Start:

Dieser Track kann durchaus stellvertretend für das gesehen werden, was einen auf "Jazzbelle 1984/1988" erwartet. Wer nach diesem Zwei-Minüter allerdings bereits gegen sein ADHS Syndrom ankämpfen muss, der sollte lieber die Finger von dem Album lassen. Denn die Band gönnt einem auf dem gesamten Album kaum eine Pause. Alle Songs sind so tief in das Tintenglas des Pop getunkt, dass man den ganzen eingängigen Melodien und Earcatchern schnell überdrüßig wird. Und vor allem dudelt in jedem Track dieses Keyboard, welches stark an den Nerven zerrt.

In kleinen Dosen oder als Süßigkeit für zwischendurch sind HAVE YOU EVER SEEN THE JANE FONDA AEROBIC VHS? sicherlich keine schlechte Wahl. Über Albumlänge dürften sie für den ein oder anderen Hörer jedoch verdammt anstrengend sein.

Der Track für die Playlist/das Mixtape: 'Period'

Album-VÖ: 19.01.2018