(earMUSIC/ Edel)

Metal aus Japan ist nun nicht wirklich die bekannteste Sache. Klar, es gibt die komplette Visual-Kei-Szene und gerade im moderneren Bereich sind Bands wie Crossfaith, Coldrain und Crystal Lake  richtige Senkrechtstarter. Aber weit vor der Geburt derer Bandmitglieder gab es 1981 schon die Band LOUDNESS. Welche als Speedmetal-Band vor allem durch das grandiose Gitarrenspiel von Akira Takasaki auf sich aufmerksam machten. Mit "Lightning Strikes" und "Thunder In The East" feierten sie auch im Westen Mitte der 80er Jahre ordentliche Erfolge. Zu den 90ern holte man sich dann als Sänger Michael Vescera an Bord, da man hoffte, mit einem US-amerikanischen Frontmann noch besser durchstarten zu können. Dieser wechselte aber schon nach zwei Alben zu Yngwie Malmsteem und der Wechsel in Glam-Rock-Gefilde tat auch nicht gut, da dieser Hype in den USA bereits wieder am Abflachen war. Zwar gab es auch in den 90er-Jahren viele neue LOUDNESS-Alben, aber der Erfolg im Westen war vorbei. Zum Jahrtausendwechsel holte man mit Minoru Niihara und Masayoshi Yamashita dann sowohl den Orginalsänger, als auch -bassisten zurück. Der Sound wurde immer mal wieder moderner, aber so wirklich durchsetzen konnten sie sich außerhalb der Heimat nicht mehr. Dies soll sich nun dieses Jahr ändern, denn Album Nummer 29 (exakt: neunundzwanzig!!!) "Rise To Glory" ist das Erste seit sehr langer Zeit, welches auch zeitgleich im kompletten Westen erscheint. Auf dem Cover versammeln sich dann Wahrzeichen aus aller Welt und machen unmissverständlich klar: Die komplette Welt soll wieder erobert werden.

Los geht es mit dem kurzen Instrumentalstück '8118', aber die volle Aufmerksamkeit kann man eigentlich direkt auf 'Soul On Fire' richten. Mit fast sechs Minuten hat es eine ordentliche Länge und bietet klassischen Heavy-Metal in Reinkultur, vorbei sind die Zeiten des Rumexperimentierens, man besinnt sich auf das, was man kann und das ist auch gut so. Dass bei dem Gitarristen ein Highspeed-Solo zum Start nicht fehlen darf, versteht sich dabei ja eigentlich von selbst. 'I'm Still Alive' ist bei einer nun 37 Jahre alten Band sicherlich eine passende Aussage, kurz und knackig geht es hierbei zur Sache. 'Go For Broke' ist dann genauso altmodisch wie der bisherige Output. Bei dem Namen 'Until I See The Light' wundert man sich kaum, dass es einen recht balladesken Einstieg gibt. Es wird dann auch ein Mid-Tempo Song, aber bei weitem keine Ballade. An 'The Voice' weiß sofort die tolle Melodie zu gefallen und man hört, dass Minoru auch gefühlvoller singen kann, als man es vielleicht erwartet hat. Und jetzt wird es thrashig! Der 'Massive Tornado' scheppert nämlich ordentlich aus den Boxen, die Mischung aus Speed und Thrash-Metal gefällt mir hier besonders gut.

Loudness_Photo_courtesy_of_EarMusic

Loudness Photo courtesy of EarMusic

Und es wird wieder instrumental, allerdings sorgt 'Kama Sutra' nicht gerade für einen Höhepunkt. Also wenden wir uns lieber gleich dem Titelstück 'Rise To Glory' zu, das hat es nämlich wirklich in sich. Es hat ein schönes Tempo, eine gute Melodie, ist nicht unnötig in die Länge gezogen und ist die glasklare Hymne dieses Albums. Zum Glück kann 'Why And For Whom?' diese Qualität halten und so darf man einfach gnadenlos weiter feiern. 'No Limits' kommt da etwas schwächer daher, ist aber sicherlich auch kein Reinfall. 'Rain' zeigt sich dann, vor allem in den Strophen, von der ruhigeren Seite, bevor es mit 'Let's All Rock' eine Mitmachnummer gibt, die ganz klar für Liveshows geschrieben wurde.

Nun hat man bereits 60 Minuten an Material gehört und damit nicht genug, erscheint das Album hierzulande als Doppel-CD. So findet sich auch noch das 2016er-Album "Samsara Flight" in der Hülle. Darauf befinden sich weitere 13 Lieder mit satten 68 Minuten Laufzeit. Hierbei handelt es sich komplett um Neuaufnahmen aus älteren Alben. Und auch diese haben es in sich und sind deutlich mehr als nur eine nette Zugabe.

Wer auf Überraschungen aus ist, der hat hier nichts zu suchen. LOUDNESS bringen mit "Rise To Glory" eine Scheibe auf den Markt, die auch so in den 80ern erschienen sein könnte. Es gibt ganz klassischen Heavy-Metal der alten Schule und das sollte einem bewusst sein. Auch sind es sicherlich nicht die besten Lieder der Band. Aber es ist eine tolle Reise in die Vergangenheit und wer die Jungs mal live gesehen hat, weiß wie sie die Bühne zerlegen können. Für dieses Jahr haben sie auch schon eine riesige Welttour angekündigt, nur fehlen da noch die Termine.

Anspieltipps: 'Rise to Glory', 'Massive Tornado'

Album-VÖ: 26.01.2018