(Roadrunner Records/ Warner Music)

Zweieinhalb Jahre hat sich das Phänomen MARMOZETS Zeit gelassen, um den Nachfolger zum fantastischen Debüt "The Weird And Wonderful Marmozets" nachzulegen. Hier könnt ihr nochmal nachlesen, was mich damals so fasziniert hat:

MARMOZETS – The Weird And Wonderful Marmozets

Kann das Quintett die Qualität und den Überraschungseffekt auch bei ihrem neuesten Output "Knowing What You Know Now" abrufen? Oder sind sie im Mainstream gelandet und wollen mit vorhersehbaren Hits in Richtung Durchschnittlichkeit driften? Es bleibt und ist spannend, was MARMOZETS uns anbieten.

Wenn 'Play' aus den Boxen dröhnt, ist man erstmal geplättet ob der Energie die versprüht wird, allerdings kann man dem Fünfer ein gewisses Maß an Radiotauglichkeit nicht absprechen - zu wenig um im Formatradio rauf- und runterzulaufen, allerdings dürfte der Song im Nischenprogramm ordentlich Airplay ( 😉 ) bekommen. Ich bin persönlich noch etwas unschlüssig, ob ich das gut finde - Schwung hat es jedenfalls.

Mit den Folgesongs 'Habits', 'Meant To Be' und 'Major System Error' finden MARMOZETS in die Spur zurück - spannend konstruierte Strukturen, die zwischen Post-Core und Indie-Rock ihre Heimat gefunden haben. Über allem thront die Stimme von Frontfrau Becca Macintyre, die sehr vereinnahmend klingt, aber verdammt stark in ihrem Ausdruck. Obwohl sie sehr hoch singt, ist es niemals kreischig oder nervtötend.

Die MARMOZETS scheuen sich nicht zwischen verschiedenen Genres hin- und herzuspringen und fühlen sich scheinbar so selbstbewusst, ausufernde Experimente wie 'Insomnia' auszuprobieren, die an die späten Sachen von Blur erinnern. Aber auch das passt in den Kontext von "Knowing What You Know Now". Denn direkt im Anschluss wird mit 'Lost In Translation' auf der Hardcore-Kante getanzt. Danach dann noch das partytaugliche 'Start Again' und man ist wieder ordentlich durchgeschüttelt, ob der immensen Kreativität, die MARMOZETS an den Tag legen. Und das, obwohl sie bei einem Major sind - es wurden ihnen scheinbar keine Ketten angelegt und sie durften sich austoben, zum Glück für den Hörer.

'New Religion' wäre schon auf dem Debüt-Album ein Highlight gewesen und auch die obligatorische Piano-Ballade 'Me & You' im P!nk (Pink)-Style stört nicht sonderlich, auch wenn sie nicht unbedingt nötig gewesen wäre. Das Album endet wie es begonnen hat - 'Run With The Rhythm', ein Song, der catchy ist und sich in poppigen Gefilden herumtreibt ohne peinlich zu sein.

Marmozets_Photo_courtesy_of_Roadrunner_Records

Marmozets Photo courtesy of Roadrunner Records

MARMOZETS beugen sich nicht dem Erfolgsdruck, sondern probieren sich immer weiter aus und öffnen sich bisweilen neuen Musikfeldern. Dies ist aber niemals anbiedernd oder unglaubwürdig. Die Frische und die Wildheit des Erstlings ist dem konzentrierten Austüfteln von Kompositionen gewichen. "Knowing What You Know Now" wirkt erwachsener und durchdachter - das war der richtige Schritt, denn das Mega-Debüt konnte man nicht toppen.

Album-VÖ: 26.01.2018