(Columbia/ Sony Music)

Es gleicht schon fast einem Eroberungsfeldzug, den HÄMATOM seit ihrer Gründung vor 14 Jahren hingelegt haben. Was mit einem tanzenden Bi-Ba-Butzemann anfänglich noch Schmunzeln hervorrief und damit fast schon als One-Hit-Wonder abgestempelt wurde, entwickelte sich ganz schnell zu einer Band, die schon immer ziemlich genau wussten, was sie wollen, wo sie hingehören und wem sie das zu verdanken hatten. Mit "Bestie Der Freiheit" steht nun das mittlerweile 7. Studioalbum auf dem Plan, zu dem die Band bereits im letzten Jahr zwei Musikvideos veröffentlicht hat. Man könnte durchaus sagen, dass HÄMATOM Arbeitstiere sind (mit insgesamt 29 Musikvideos)! Was dürfen wir also von"Bestie Der Freiheit" erwarten? Lest selbst!

"Bestie Der Freiheit" bietet einiges, aber nicht alles ist auch komplett überzeugend! Stark startet die Scheibe mit dem bereits als Videoclip bekannten Song 'Zeit Für Neue Hymnen', einem klassischen Opener der Marke „Wir sind wieder da, wir nehmen jetzt alles auseinander, von jetzt an alles neu…“. Weiter geht es mit dem brachialen 'Mein Leben – Meine Regeln' und gleich darauf dem etwas schnelleren 'Warum Kann Ich Nicht Glücklich Sein?' - und als wollte die Band dies unterstreichen, geht zumindest aus meiner Sicht jetzt die Kraft des Albums nach und nach verloren. 'Mörder' schunkelt mir zu sehr und die Ballade 'Lichterloh' könnte genauso gut auf dem nächsten Die Toten Hosen-Album sein. Auch der darauffolgende Song 'Ich Hasse Dich Zu Lieben‘ ist irgendwie schon zu oft durchgekaute Kost.

'Lange Nicht Perfekt' bildet noch einmal einen positiven Ausschlag auf der Skala, ab da verliert sich das Album dann leider komplett in etwas zu ausgelatschten Schuhen und breitgetretenen textlichen Themen.

Insgesamt komme ich auf 5-6 Songs, die mir richtig gut gefallen, 2-3 Nummern, die ich nicht leiden kann und der Rest versinkt im Durchschnitt. Zu meinem eigenen Erstaunen sind es aber genau diese 5-6 Songs, die mich in den letzten Tagen immer wieder einholen und in meinem Kopf nachhallen, so dass ich dann doch wieder zu "Bestie Der Freiheit" greife, auch wenn ich mit der Stimme von Nord nicht ganz so viel anfangen kann (mutmaßlich, weil er manche Sachen für meinen Geschmack zu sehr betont und ein „ei“ eher nach einem „ai“ klingt, nennt sich in Fachkreisen „Jammern auf hohem Niveau“.

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Hämatom Photo courtesy of Sony Music

Verdiente Lorbeeren, aber auch verdiente Abzüge in der B-Note. Das Songmaterial hätte durchaus ein sehr gutes 10-Song-Album ergeben, so bleibt ein überdurchschnittliches 15-Song-Album. Manchmal ist weniger mehr!

Album-VÖ: 26.01.2018