Früher waren die T-Shirts auf KAKKMADDAFAKKA Konzerten deutlich mehr vom Schweiß durchtränkt. Inzwischen sind die Circle-Bereiche, in denen gehüpft, gesprungen und gerempelt wird, nicht nur bedeutend kleiner, sondern auch eine Spur zaghafter. Der inzwischen fast 30jährige KAKKMADDAFAKKA-Fan begnügt sich damit das Tanzbein am Rande zu schwingen. Eine Band und ihre Anhänger werden gemeinsam erwachsen.

Donnerstagabend ist doch meist eine guter Termin für Konzerte. So auch an diesem Vize-Freitag im großen Saal im Pavillon zu Hannover. Die Location ist schick und besticht durch gute Sound- und Lichtverhältnisse. Publikumsströme könnten etwas besser geleitet werden, würde man die Ausgänge zum Ausschank auf beiden Seiten des Saales öffnen. Aber das ist bei einem Konzert dieser Größenordnung durchaus verschmerzbar. Zum Tanz bitten heute Abend die Norweger von KAKKMADDAFAKKA und die Münchener Band COSBY.

Für COSBY stellt dieser Gig das Hannover Debüt dar und die Band wird während ihres 30 Minuten Sets nicht müde darauf hinzuweisen, dass die eigene Headlinertour in die nahegelegen Städte Hamburg (150km) und Berlin (290km) führt. Ob ein Besucher dieses Abends den Weg auf sich nehmen wird, erscheint mir zumindest fraglich, dennoch gelingt es COSBY ordentlich Werbung in eigener Sache zu machen.

COSBY spielen diesen Indie-Electro Clash, der sich irgendwo im Münchener Raum als hochgradig ansteckend verbreitet haben muss. Siehe Kytes, Claire, COSBY – ich bin fast schon geneigt von der Münchener Schule zu sprechen. COSBY bestechen dabei vor allem durch ihre Frontfrau Marie Kobylka, welche sich als unbändiges Energiebündel auf der Bühne, mit ordentlich Hummeln im Rektum, ihre Sporen verdient. Die übrigen Bandmitglieder geben sich zurückhaltend, bilden aber ein zuverlässiges Band-Konstrukt. Mit dem neuen und sehr gelungenem Track 'Milestones' öffnet man sich den Klängen der Weltmusik und mit 'Boon&Bane' hat man auch diesen einen Hit im Gepäck, mit dem man getrost sein Set abschließen kann und für ein stimmiges Bindeglied zwischen Support und Hauptact sorgt.

Pünktlich um 21:00 entern dann die sechs Boys von KAKKMADDAFAKKA die Bühne des Pavillon. Die langjährige Tourerfahrung und den sich hart erarbeiteten Ruf als „Live-Band“ bestätigen die Norweger vom Startschuss an. Dennoch wirkt Show und Stimmung etwas zurückhaltender als KAKKMADDAFAKKA Shows anno 2011/2013. Hatte man damals noch einen Party machenden Männerbackgroundchor mit auf der Bühne, begnügt man sich inzwischen mit dem Schwingen der übergroßen KAKKMADDAFAKKA Fahne zum Track 'Heidelberg'. Stimmung kommt dann vor allem bei den alten Hits auf, welche immer mal wieder das Set auflockern. Das selbstbetitelte Album "KMF" scheint somit einen Wendepunkt in der Bandhistorie eingeläutet zu haben, welcher sich bis heute, und mit dem aktuellen Longplayer "Hus", fortsetzt. KAKKMADDAFAKKA wirken in ihren Songs reifer und nicht mehr so ungestüm. In vielen Songs wird das Tempo deutlich gedrosselt und man möchte dann doch eher mit dem Kopf zum Beat wippen, als mit angewinkelten Armen um einen guten Platz im Mosh-Pit zu wetteifern. Positiv fällt dennoch auf, dass einige Tracks das "Hus"-Albums live deutlich gewinnen. So zum Beispiel das mir bisher eher lahm erschienene 'Neighbourhood' oder das chillige 'Holding Me Back'. Und obwohl Ziehvater Erlend Øye sich inzwischen nicht mehr für die Produktion von KAKKMADDAFAKKA auszeichnet, klingen die Jungs in Tracks wie 'Hillside' immer mehr nach dem Nachbarn aus Bergen.

Im letzten Drittel gibt es dann aber doch die große Wagenladung Hits, garniert mit der obligatorischen 90er Coverversion. Hatte man sich in der Vergangenheit bereits an Haddaway und Loona vergriffen, so verausgabt sich Band und Publikum jetzt an Chers 'Belive', bevor 'Forever Alone' den Rausschmeißer gibt.

Gestromt Redakteur Marc Erdbrügger hat den Abend in Bildern festgehalten: