(Red Bull/Sony)

AWOLNATION kreuzen auf "Here Come The Runts" zum dritten Mal unterschiedliche musikalische Stilrichtungen auf außerordentliche Weise. Erneut ein Album mit Höhen und Tiefen.

Denkt man an AWOLNATION, kommt einen stets der Überhit 'Sail' in den Sinn. Das die Band keinen zweiten Song im Repertoire hat, der auch nur im Ansatz ähnlich klingt, steht dabei auf einem anderen Blatt. Auf "Here Come The Runts" springt die Band-Mastermind Aaron Bruno wieder fröhlich zwischen den Genre-Schubladen umher. Vom Alt-Rock zum Pop und wieder zurück.

Beginnend mit dem Titeltrack bölkt einem Sänger Bruno die Lyrics in bester Scooter Manier in die Ohren. „Here Come The Runts, Here Come The Runts – Oh YEAH!!!“ - dabei verschleppt man zunächst das Tempo und zieht im nächsten Moment wieder an. Der Song ist allerdings ein ganz ähnlicher Rohrkrepierer wie der folgende Track 'Passion'. Und auch der Möchtegern Beastie Boys Track, 'Sound Witness System', geht einem eigentlich nur auf die Nerven. Das zappelige 'Miracle Man' erweckt den Eindruck, dass die Band ihre nötige Dosis an Ritalin nicht rechtzeitig bekommen hat. Ein denkbar schlechter Einstieg in das dritte Album von AWOLNATION. Wer allerdings bis hier dran bleibt, wird in den nächsten Minuten mit großen Popsongs belohnt.

Die zurückgenommene Stimmung von 'Handyman' steht den Amerikanern deutlich besser zu Gesicht, wovon man sich auch im Video zur Singleauskopplung überzeugen kann:

Mit 'Jealous Buffon' wartet im Anschluss direkt der nächste Volltreffer. Ein gelungener Hybrid aus Indie/Alternative und Pop, der im Referenz Konzert der ganz Großen aus diesem Genre mitspielen kann, sprich Imagine Dragons oder Bastille. Mit 'Table For One' und 'My Molasses' bekommt man dann sogar noch die beiden besten Weezer Songs seit mindestens dem grünen Album geliefert. In Your Face Rivers Cuomo!

Zum Ende der Platte sinkt die Formkurve leider wieder deutlich nach unten, wie man unter anderem an den peinlichen Prog-Momenten im Abschlusstrack 'Stop That Train' hören kann.

Somit kann ich die Rezension fast mit den gleichen Worten beschließen, wie die Besprechung des letzten AWOLNATION Albums, denn auch mit "Here Come The Runts" werden AWOLNATION nicht zu der Band werden, in welche man sich Hals über Kopf verliebt und der man sich mit ungezügelter Leidenschaft hingibt. Sie bleiben vielmehr so etwas wie die hübsche Nachbarstochter von nebenan, welche man zwar immer als ganz hübsch anzusehen empfand, aber eine Beziehung doch irgendwie unvorstellbar bleibt. Wir sprechen uns in ein paar Jahren noch einmal.

Song für die Playlist/das Mixtape: 'Jealous Buffon'

Album-VÖ: 02.02.2018