(Dine Alone / Caroline)

Wenn es mit Tool in punkto Studio-Alben noch viel länger als 12 Jahre dauern sollte und die Bandmitglieder sich in der Presse gegenseitig widersprechen, dann verliert selbst Danny Carey, der Drummer von Tool, mal die Nerven und schart eine "neue Supergroup" um sich! 

LEGEND OF THE SEAGULLMEN bestehen aus Tool's Danny Carey am Schlagzeug, Mastodon's Brent Hinds und Director Jimmy Hayward (Jonah Hex) an den Gitarren, David "The Doctor" Dreyer am Gesang, Zappa Meets Zappa's Peter Griffin am Bass und Chris DiGiovannian an den Synths. Unterstützt wird die Band von weiteren Gästen (Wer weiß, wer sich hinter den Seagullmen-Masken verbirgt).

Dias Gespann hat sein selbstbetiteltes Debüt am 09.Februar 2018 via Dine alone Records veröffentlicht und spricht durch seine Mitglieder natürlich Fans aus den jeweiligen Lagern an. Ich hatte die Scheibe schon etwas länger rotieren, aber wie das immer so ist... Manchmal muss man sich ja wirklich zum Schreiben zwingen! Oder findet angesichts der Musik anfangs wenig Worte, weil man so baff ist.

Wie klingt das Material? "Das Ziel war es cineastischen psychedelic Rock zu schaffen. So singen die Seagullmen von Schiffswracks, gigantischen mutierten Tintenfischen und kreieren so Rock n' Roll Hymnen in einem epischen Konzept auf ihrem Debüt "Legend Of The Seagullmen"."

Santiano 2.0? Gottlob nicht! Definitiv Musik für Kenner, für die man sich Zeit nehmen muss. Am besten mit einem guten Kopfhörer und einem Rum, der gedanklich vom Meeresboden gerettet wurde. Die Beteiligten klingen zusammengenommen schon abgefreakt, das wird auch in die gemeinsame Musik transporiert. Im engeren Sinne Prog, im weitesten groovige Kino-Musik für ernste Seefahrer/Piraten-Filme.

Im Wind knackende Masten und Glocken läuten das Album ein, Möwen erzählen von ihrem Überflug der See, die Drums und Gitarren legen los, eine Shanty-Melodie setzt im Hintergrund kurz ein, bevor der dunkle Gesang die Seagullmen vorstellt. Hätte auch gut auf der aktuellen Mastodon-EP stehen können. 

Photo courtesy of Dine Alone / Caroline

'The Fogger' schlägt in eine ähnliche Kerbe, wie der Intro-Song, ist vom Gesang aber etwas treibender. Die Instrumente toben sich aus, wie die aufgebrachte See, die das Boot der Jungs auf den Wellen durchschaukelt, der Song/die See kommen in der Mitte etwas zur Ruhe und Danny kann neben einer simplen und sich wiederholenden Gitarren-Akkordfolge die Stöcke wie bei einem Solo schwingen, bevor es wieder auf hohen Wellen bis zum Ende turbulent weitergeht und der Song mit einem, an Iron Maiden erinnernden Part, schließt. 

'Shipswreck' fährt wuchtig und geheimnisvoll die Breitseite auf, so als würde man sich vor dem Entern eines anderen Schiffes einschwören und gedanklich langsam sein Testament machen. Textlich geht es aber um Schätze/Schatzkarten oder den Ort, an dem man seine letzte Ruhestätte findet.

Im Verlauf der Scheibe flackern Bands wie Primus oder auch Frank Zappa vor dem geistigen Auge auf, sogar Metallica hörte ich ganz kurz mal raus. Die Jungs haben ihre Hausaufgaben gemacht und überraschen mit jedem Song. Besonders angetan hat es mir auch die Halb-Ballade 'Curse Of The Black Tide', die gegen Ende noch mal richtig auffährt. Großes Tennis! Dagegen steht dann der punkige Rocker "Legend Of The Seagullmen". Was für eine Stilvielfalt. 

Wer etwas mit den genannten Bands anfangen kann und nicht zwingend immer Schema F hören möchte, sollte sich dieses Werk mal aufmerksam geben! 

Das Info-Blatt sagt zu den Tonträgern:

"Neben Vinyl, CD und diversen digitalen Formaten wird es auch eine Auswahl an Packages via Dine Alone Records geben, die unter anderem handsignierte Drumsticks von Danny Carey beinhalten!"

Somit Augen und Ohren auf für die LEGEND OF THE SEAGULLMEN. Ein wahnsinnig schlüssiges und spannendes Gesamtkunstwerk, ja.. fast eine Oper! 

VÖ-Termin: 09.02.2018