(Out of Line Music)

Die Berliner NDH-Mannen OST+FRONT sind nach dem, von mir hier ziemlich gern gemochten, Vorgänger "ULTRA" mit ihrem neusten Album "Adrenalin" zurück. Dieses hatte damals eine erfreuliche Weiterentwicklung der Band gezeigt und entfernte sich immer weiter davon, eine Rammstein Kopie zu sein. Kann der Nachfolger da anschließen?

Puh, der Titelsong 'Adrenalin' macht es einem bei der Frage nicht gerade einfach. Der Titel erklingt im typischen NDH-Soundgeflecht, erinnert aber teilweise sehr stark an Rammsteins Lied 'Benzin'. Direkt zum Start orientiert man sich dann also doch sehr auffällig am großen Vorbild. Zum Glück folgt mit 'Heavy Metal' sofort eine positive Überraschung. Hier klingt alles ganz anders als gewohnt und der Gesang kommt mit einem gewissen Gospelcharakter daher. Das hat zur Folge, dass man sich hier eher an die Powermetalband Powerwolf erinnert fühlt. Eine wirklich schöne Abwechslung, die die Hoffnung leben lässt, dass man uns auf diesem Album noch öfter überraschen wird. 'Disco Bukkake' vermag das allerdings nicht. Der Titel sagt genau was einen hier textlich zu erwarten hat, eine ziemlich flache Angelegenheit. Dabei geht es musikalisch echt gut ins Blut und macht Spaß. Es tut mir ja fast leid, aber ich muss hier schon wieder mit Rammstein vergleichen, die hatten nämlich damals 'Amerika' und OST+FRONT haben nun 'U.S.A.' parat. Und auch hier wirken manche Textzeilen arg abgekupfert. Es scheint, als ob man mit Album Nummer Vier wieder mehr in das alte Kopiermuster verfällt. 'Puppenjunge' wird dann ein bisschen düsterer und weiß gut zu unterhalten, fährt aber auch nur das kleine Einmaleins der NDH auf. Mit 'Blattzeit' wird die Geschwindigkeit ordentlich erhöht, und natürlich geht es wieder einmal um das Thema Sex. Das Lied an sich macht mir richtig viel Spaß, allerdings ist der Text mal wieder sehr altbacken und bedient ein komplett überholtes Frauenbild.

Photo by Laura Vanselow

Genauso schnell und eingängig geht es dann mit 'Arm und Reich' weiter und hier darf man dann endlich einfach mal Spaß haben. Vor zwanzig Jahren wäre man mit Liedern über eine Domina noch ziemlich angeeckt. So ist 'Böses Mädchen' fast schon ein bisschen langweilig und die Abwechslung lässt mittlerweile auch ein bisschen zu wünschen übrig. Deswegen geht es jetzt auch einfach mal mit Deutschpunk weiter. Ja, richtig gelesen, mit der Hymne '10 Jahre OST+FRONT' feiern die Jungs sich selber und auch ihre Fans. Und das Ganze erklingt dann im rotzigen Deutschpunksound. Richtig fette und positive Überraschung. Leider kann ich die darauf folgenden 'Edelweiss', 'Hans Guck in die Luft' und 'Du gehst mir unter die Haut' in einem Wisch abhandeln. Es sind drei absolut generische Lieder, denen komplett der letzte Pfiff fehlt. Zum Abschluss geht es mit 'Alte Liebe' immerhin wieder aufwärts, wenn auch der letzte Knall ausbleibt.

Wer sich eine der Versionen mit der zweiten Bonus CD gekauft hat, dem bleiben jetzt aber noch vier Titel. Ein verborgenes Highlight findet sich darunter, allerdings leider nicht. So bin ich dann doch etwas enttäuscht mit dem vierten Album. Nachdem man es mit 'ULTRA' so langsam den Kritikern zeigen konnte und ein extrem abwechslungsreiches Album vorlegte, ist  'Adrenalin' eher wieder ein Schritt zurück. Ein paar mal bedient man sich wieder zu deutlich bei Rammstein und ein paar Texte sind einfach wieder zu flach. 'Heavy Metal' und '10 Jahre OST+FRONT' beweisen ja, dass es auch anders geht. Wer aber nur seine neue Dosis an NDH braucht und nicht Jahrzehnte auf eine neue Rammstein warten will, der wird hiermit  trotzdem viel Spaß haben und kann locker einen Blitz auf meine Wertung aufschlagen.

Album-VÖ: 16.02.2018