(earMusic/ Edel)

Es gibt sie ja immer wieder, Musiker die mit einer Band nicht ausgelastet sind oder einfach nebenbei nochmal andere Ecken der Musik ausloten wollen. Zu dieser Sorte von Mensch gehört wohl auch Stefan Schmidt. Neben seiner Band Van Canto hat er unlängst auch HEAVATAR am Start, dessen Ziel es ist Metal mit klassischer Musik zu verbinden. Sicherlich nicht die neuste Idee, aber die Band nimmt nicht nur klassische Einflüsse war, sondern nimmt gleich ganze Kompositionen berühmter Musiker wie Vivaldi oder Chopin und packt sie in die eigenen Songs. Wie sich das Ganze anhört, kann man ab nun auf "Opus II - The Annihilation" herausfinden.

Direkt zum Start bedient man sich bei 'None Shall Sleep' beim Kollegen Puccini, was dazu führt, dass wirklich jeder den entsprechenden Part erkennen wird. Sonst ist das Teil schnörkelloser und schneller Powermetal. Tatsächlich sorgt aber genau die Idee der Band dafür, dass im Nachgang nur der Klassikteil in meinem Hirn hängen bleibt. Bei 'Into Doom' bin ich offensichtlich nicht so gut bewandert, um den Klassikpart zuordnen zu können. Allerdings versteckt es sich ganz klar in einem Solo in der zweiten Hälfte des Liedes. Keine Ahnung, ob es an meiner Kopie des Albums liegt, aber 'Purpose Of A Virgin Mind' fehlt es massiv an Druck und der ganze Sound kommt recht lasch aus den Boxen. Lediglich die Vocals scheinen hier voll auf der Höhe zu sein. Wirklich schade drum, da das Stück sich sonst recht eingängig anhört. Bei 'Hijacked By Unicorns' ist das Problem, nach einem Pianostart, sofort Geschichte und alles erklingt wieder so druckvoll wie es soll. Leider ist aber der ganze Rest so verdammt langweilig, dass ich fast schon der Versuchung erliege, die Skip-Taste zu drücken.

Unverkennbar startet 'The Annihilation' mit Beethovens fünfter Symphonie und gibt somit einen grandiosen Einstieg in den bisher besten Titel des ganzen Albums. Denn auch das Lied ist sehr abwechslungsreich und wartet neben dem typischen hohen Powermetalgesang, mit ein paar tiefer gesungenen Stellen auf. Da hätte es die klassische Schützenhilfe gar nicht gebraucht, um zu erkennen, wie toll dieses Lied ist. 'Wake Up Now' ist dann typischer Powermetal und der Chorgesang unterstützt das nur ein bisschen. Schöne Beats gibt es oben drauf und der geneigte Hörer kriegt gewohnte Standardkost serviert.

Zuerst dachte ich bei 'A Broken Taboo' typische asiatische Flötenklänge herauszuhören, aber dann erkannte ich, wie schnell sich alles in eine westliche Fantasywelt verwandelte. Und es sollte das nächste Highlight des Albums werden, dank weiblichen Gastgesang und einem sehr epischen Klangkonstrukt. Es geht dann übergangslos mit 'An Awakening', welches überraschenderweise ein klassisches Stück Mittelaltermusik darstellt. Die Elemente der modernen Rockmusik werden auf ein Minimum reduziert und als Fan von solcher Musik bin ich natürlich entzückt. Die Härte kehrt dann ja auch mit 'A Battle Against All Hope' zurück, welches den dritten Teil des gerade in sich verwobenen Finales des Albums darstellt. Es ist so, als ob wir nun in einem Fantasyfilm in der Finalschlacht angekommen wären und diese endet auch erst in 'A Look Inside'.  Alle vier Lieder zusammen, stellen ein sehr tolles Erlebnis da, welches alleine schon eine grandiose EP ergeben hätte. Es folgt nun noch ein Cover des Manowar-Songs 'Metal Daze'. Das kommt weder an das Orginal heran, noch finde ich es besonders schlau auf dem Album platziert. Nun geht es zum Abschluss aber noch einmal zurück zu bereits gehörten mit 'The Look Inside (Orchestral Version)' und das läuft dann auch satte 14 Minuten! Das ist deswegen der Fall, weil es einfach die ungeschnittene Version der Lieder sieben bis zehn ist, nur halt in einer Instrumentalversion ohne Gesang.

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'Opus II - The Annihilation' ist ein bisschen zwiespältig. Das Konzept in eigene Kompositionen unbedingt bekannte Klassik reinschmuggeln zu wollen, erschließt sich mir nicht ganz. Vor allem da sie die eigens geschriebenen Teile locker in den Schatten stellt. Sonst ist die erste Hälfte teilweise sehr uninspirierter Powermetal, bei dem der Van Canto-Einfluss stets erkennbar bleibt. Lediglich 'The Annihilation' konnte mich als Stück Metalmusik vollends überzeugen. Das vierteilige Songkonstrukt auf der zweiten Hälfte hat mich aber wirklich begeistern können, was aber vor allem an der Orchestrierung liegt, die einen an gut gemachte Fantasyfilme erinnert. Komplett verloren geht da aber irgendwie der Bezug zur Grundidee der Band, da die Klassik hier eher Soundtrackkompositionen weicht. Also überzeugt bin ich von der Idee hier noch nicht. Aber für sich genommen, haben wir hier am Ende ein echt geiles Stück Musik, dass sich nur auf ein falsches Album verirrt zu haben scheint. Das sorgt dann auch alleine dafür, dass ich das Album doch guten Herzens empfehlen kann oder ihr kauft euch einfach einzeln die Lieder, die ich euch in den Anspieltipps empfehle.

Anspieltipps: 'A Broken Taboo', 'An Awakening', 'Battle Against All Hope', 'A Look Inside'

Album-VÖ: 16.02.2018