(Epitaph/ Indigo)

Die 2006 in Baltimore im US-Bundestaat Maryland gegründeten PIANOS BECOME THE TEETH legen mit "Wait For Love" ihr mittlerweile viertes Album vor, das erneut eindrucksvoll die konstante Weiterentwicklung dieser Band demonstriert.


Auf ihrem Debütalbum "Old Pride" (2009) herrschte noch rauer Emo/Screamo/Melodic-Hardcore vor, damals wirkte die Herangehensweise ans Songwriting geradezu jugendlich und die Songs waren geprägt von plötzlichen, unkontrollierten Ausbrüchen. Auch der Nachfolger "The Lack Long After" (2011), ein durch und durch emotionales und sehr düsteres Album glich dem Stil des Vorgängers. In den Songs verarbeitet Sänger Kyle Durfey den für ihn sehr traumatischen Krebstod seines Vaters und kanalisiert die Wut, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, die ein solcher Verlust mit sich bringt. Drei Jahre später dann macht sich die Band frei von der sogenannten "The Wave"-Bewegung, wandelt ihren Stil in Richtung Post-Rock und veröffentlicht das auf den ersten Blick gefasst und aufgeräumt wirkende Album "Keep You". Düster bleibt es. Aber die Wut ist einigermaßen vergangen und einer allgegenwärtigen Trauer gewichen. Saubere Strukturen, statt plötzlicher Breaks, cleaner Gesang statt wütendem Schreien - quasi ein kontrolliertes Ventil für die immer noch omnipräsenten Emotionen.

Die sauberen Strukturen werden auf dem neuen Album "Wait For Love" weiter fortgeführt. Das Songwriting ist erwachsen, ohne dabei langweilig oder gar poppig zu wirken. Ab und zu tauchen noch Prog-Parts auf, aber dem Fokus liegt, vor allem ab der Mitte des Albums auf dem Gesang von Kyle Durfey. Ließ der Anfang des Albums noch zarte Hoffnung aufkeimen, so fällt die Stimmung plötzlich ab und man wird in die Trauer zurückgeworfen, die einem auf "Keep You" den Atem genommen hat. Und doch gibt es ein kleines Licht in der wieder aufkommenden Dunkelheit: Wusste man auf "Keep You" noch nicht, ob man es wohl schaffen würde, ist das nun zwar sicher, allerdings bleibt die Frage nach dem Wann weiter offen.

'Dry Spells' überrascht mit einem drastischen Tempoabfall, 'Bay of Dreams' legt passend zum Inhalt des Songs einen wunderschönen Hall auf Durfeys Stimme. Der Band gelingt es, Effekte gekonnt einzusetzen, diese mit delikaten Gitarren- und Bassriffs (wie in 'Bloody Sweat'), die sich nicht eine Sekunde aufdrängen, aber doch so wahnsinnig bedeutungsvoll sind, zu verbinden.

Pianos_Become_The_Teeth_Photo_by_Katrina_Barber

Pianos Become The Teeth Photo by Katrina Barber

Die emotionale Energie, die sich auf den frühen Werken in Schreien entladen hat, findet auf "Wait For Love" ihren Kanal noch stärker in den Worten Durfeys, seiner immer wieder zitternden Stimme, die wirkt, als würde er ausbrechen wollen, aber innerlich gegen diese Wut ankämpft. Auf 'Bloody Sweat' wird das Tempo noch mal kurz angezogen und die eindringlichen Vocals auf 'Love On Repeat' brennen sich derart ein, dass nach dem Finale 'Blue' das Album gerne auf Repeat laufen darf.

Album-VÖ: 16.02.2018