(Constantin Film)

Auf JUGEND OHNE GOTT machte mich ein Trailer aufmerksam, den ich als sehr eindrucksvoll empfand. Die Pressevorführung im Kino lief leider ohne uns, darum war ich gespannt auf die Heimkino-Auswertung. Eine junge Elite im Wald im Trainingslager, ein Mord passiert, die Gesellschaft ist in Sektoren aufgeteilt, man steckt im Hamsterrad. Das wurde mir da in knapp zwei Minuten im Trailer gekoppelt. Stimmt auch grundsätzlich, wird aber im Film noch um einiges spannender und befremdlicher. Der Klappentext:

"Zach (Jannis Niewöhner) macht sich widerwillig auf in das Hochleistungs-Camp der Abschlussklasse. Im Gegensatz zu seinen Kommilitonen hat er kein Interesse daran, auf die renommierte Rowald Universität zu kommen. Obwohl sie ihn nicht versteht, ist die ehrgeizige Nadesh (Alicia von Rittberg) von dem Einzelgänger fasziniert und versucht, ihm näherzukommen. Zach wiederum interessiert sich mehr für das geheimnisvolle Mädchen Ewa (Emilia Schüle), das im Wald lebt und sich mit Diebstählen über Wasser hält. Als Zachs Tagebuch verschwindet und ein Mord geschieht, scheint der fragile Zusammenhalt der jugendlichen Elite an sich selbst zu zerbrechen. Nur der vermeintlich moralisch integre Lehrer (Fahri Yardim) versucht zu helfen, aber dafür ist es schon zu spät..."

Klingt im Abgang wieder sehr reisserisch, schafft aber schon einen gewissen Eindruck. JUGEND OHNE GOTT zeichnet eine triste und düstere Vision einer Gesellschaft, die zeitlich einige Jahre in der Zukunft angesiedelt ist. Der Stärkere kommt weiter. Das Idealbild des erfolgreichen Menschen ist: Sportlich, intelligent, attraktiv. Kein Platz für Jugendliche, die den BMI nicht erfüllen, bzw. deren Körper einen zu hohen Körperfettanteil aufweist. Der Großteil passt sich an und schwimmt mit dem Strom, einige wenige sind so intelligent, dass sie das System durchblicken. Einer fällt im Film durch das Raster, ein anderer begehrt auf (Zach), andere haben sich ausgeklinkt und sind geächtet/werden als Illegale gejagt (Ewa).

Die Elitenbildung klingt doch sehr nach? Richtig... Nach der Zeit während des zweiten Weltkrieges. Ödön von Horváths Roman, auf dem der Film basiert, erschien auch 1937 und beschäftigt sich mit der Jugend zu dieser Zeit. Der Stoff wurde perfekt in eine potentielle Zukunft transportiert, würde aber auch außerhalb von Deutschland gut funktionieren.

Personell wurde sehr gut ausgewählt. Das Info-Blättchen beschreibt die Darsteller aus "einige der talentiertesten Jungstars der deutschen Filmlandschaft, darunter Jannis Niewöhner, Emilia Schüle, Jannik Schümann und Alicia von Rittberg. Ihnen zur Seite stehen mit Fahri Yardim, Anna Maria Mühe  und Iris Berben drei so herausragende wie beliebte Schauspielgrößen."

Das kann ich so unterschreiben, die jungen Darsteller spielend dabei die alten Hasen schon fast an die Wand.

Vom Plot schlägt der Film ein paar Haken, ist dabei aber extrem intelligent aufgebaut. Man erlebt die Story immer aus der Sicht einer Hauptfigur, sollte sich also am Anfang nicht fragen, warum Zach denn plötzlich eine Verletzung am Kopf aufweist, die vorher noch nicht da war.

Auch gut  gemacht: Das Uniforme, das Unterstreichen der Tristesse, der Ausweglosigkeit und Freudlosigkeit durch die Wahl von schlichter Kleidung/Aufmachung des Camps. Visuell wirklich gut umgesetzt. Einziger Kritikpunkt: Die Sektoren beginnen in der Mitte mit Wolkenkratzern (Reiche Schicht), nach außen fallen die Sektoren in der "Wertigkeit" ab. Wie passt dann aber das Landhaus im Grünen in den ersten/mittleren Sektor/in die Hochhaus-Hood?

JUGEND OHNE GOTT ist mal wieder ein wirklich guter Film aus deutschen Landen, der lange nachwirkt und viel gesellschaftskritischen Stoff bietet. 114 Minuten pure und spannende Unterhaltung.

Die Bluray liefert folgende Extras:

Die Story (ca. 3 min), Die Erzählstruktur (ca. 2 min), Das Camp (ca. 2 min), Die Gesellschaft der Zukunft (ca. 3 min), Neuverfilmung eines Romanklassikers (ca. 2 min), Interviews (ca. 29 min), Trailer (ca. 2 min)

DVD, Blu-ray und VoD-VÖ: 08.02.2018