(Holy Roar Records/ALIVE)

Bereits die beiden Vorabsingles aus "Time Will Die And Love Will Bury It" waren so dermaßen genial, dass die Erwartungshaltung an das neue Werk von ROLO TOMASSI geradezu gigantische Ausmaße annahm. Umso erfreulicher, dass man dieser auch noch Stand halten konnte. Notiert das Album schon mal in der Top 10 für eure Jahrespolls 2018.

In den Vorabinfos zum Album äußerte sich Keyboarder & Sänger James Spence folgendermaßen: „Der Name des Albums stammt von einem Poster eines Freundes, das er als Tribute für ein Gedicht von Richard Brautigan entwarf. Ich wusste sofort, dass unser neues Album so heißen sollte. Nachdem der Titel des Vorgängers „Grievances“ eher einfarbig und simpel war, schwingt im neuen Namen Optimismus und Vielschichtigkeit mit. Und genau so sollte auch der Sound des neuen Albums sein. Der Name stand schon fest, noch bevor wir überhaupt anfingen an Songs zu schreiben, was mir allerdings dabei half, den Anderen meine Vision des Albums etwas näher zu bringen.“

Was sich zunächst liest wie das übliche Promogeschwätz von Band XY wenn Album Nummer XX erscheint, trifft hier jedoch den Nagel auf den Kopf. "Time Will Die And Love Will Bury It" ist tatsächlich vor allem eines: VIELSCHICHTIG. Zum eingrooven gibt es ein wundervolles Intro, welches mit Synthieklängen und sphärischen Elementen das Eingangstor zum Kinderspielplatz weit aufstößt, auf welchem sich die Band in der folgenden Stunde austoben wird. Es folgt die bereits bekannte Single 'Aftermath', welche zu den ruhigeren Vertretern auf dem Album zählt:

Die geradezu engelsgleiche Stimme von Sängerin Eva Spence lädt zum verweilen ein. Auch die Lyrics scheinen deutlich positiver gestimmt, als alle Vorgängernummern die die Band in den letzten Jahren herausgehauen hat. - „Unafraid of the aftermath - The bones of what's below will never grow.“

Das die Band aber auch anders kann, wissen Fans ohnehin, der unbedarfte Hörer bekommt hier jedoch sein Erlebnis. Mit dem anschließenden 'Rituals' zeigt die Band in beeindruckender Manier, wo der Frosch die Locken hat:

Wer es noch eine Spur düsterer braucht, der kann sich den Track 'Balancing The Dark' auf die Kopfhörer streamen:

Geschrieben wurde der Song von Gitarrist Chris Cayford, der 'Balancing The Dark' wie folgt beschreibt: "Fast unbeabsichtigt wurde dieser Song zum beunruhigendsten, den wir je gemacht haben. Ich erinnere mich noch daran, wie wir zum ersten Mal das Keyboard über das Gedröhne im Intro und Outro legten und es den Ton des Songs sofort vorgab. Für mich hat es diese düstere Atmosphäre, die einem das Gefühl gibt, man sei noch nicht in Sicherheit. Das Video spiegelt das ganz gut wieder und ist stark von Sean Durkins "Martha Marcy May Marlene" und "Sound Of My Voice" von Zal Batmanglij beeinflusst, die beide ein ähnliches Gefühl in mir erzeugen."

Das Album ist nicht nur picke-packe-voll mit verschiedenen Genres, die zu richtigen Bastarden von Songs kombiniert werden, das Album besteht ausschließlich aus Highlights. Da ist z.B. das an THE HIRSCH EFFEKT erinnernde 'Alma Mater', das zwischen den Genres umhertänzelnde 'The Hollow Hour' und das acht Minuten Opus 'A Flood Of Light', welches Mathrock, Hardcore und Shoegaze vermengt.

Trotz ihrer Vielfalt und dem Mix unterschiedlicher Genres wirken die Songs auf "Time Will Die And Love Will Bury It“ wie aus einem Guss. Das Album übt eine fast schon hypnotische Anziehungskraft auf den Hörer aus und nimmt diesen scheinbar gefangen. Paralysiert ist man nicht in der Lage die Skiptaste zu betätigen, auch wenn man eigentlich gar kein Fan von Musik ist, in der so dermaßen gegrowlt wird.

ROLO TOMASSI gelingt es über die komplette Albumlänge die Spannung hoch zu halten. Man fragt sich ständig was als nächstes kommt und geht der Band dabei immer mal wieder auf den Leim. Die Songs schlagen teilweise so viele Haken, das es einem schwindelig werden kann. Wer sich dem aussetzt wird mit dem bisher aufregendstem Hörerlebnis in diesem noch so jungen Jahr belohnt.

Volles Gewitter!!!

Der Song für die Playlist/das Mixtape: 'A Flood Of Light'

Album-VÖ: 02.03.2018