(Gunner Records/ Broken Silence)

Na, wer hat mal wieder Bock auf unkomplizierten Punkrock der straight geradeaus läuft? Die Kalifonier THE SHELL CORPORATION könnten mit ihrem dritten Album "Fucked" den Bedarf decken. 🙂 Noch dazu prangern sie politische und gesellschaftliche Missstände an und formulieren dies smart in ihren Texten.

'Kumbaya' eröffnet "Fucked" mit einer Mischung aus Hörbuch und Good Riddance-Sound-Tribute. Aggressiv mit einer melodiösen Seite ausgestattet, die dich schon beim ersten Hören die Faust in der Tasche ballen lässt. Die Energie löst sich spätestens beim nachfolgenden 'Make It Rain', der es locker mit den aktuellen Bad Religion aufnehmen kann - wenn es nicht sogar frischer und energetischer ist, als es die Punkrock-Helden zuletzt hinbekommen haben. 'Not Funny' möchte eigentlich jeden Augenblick ausbrechen, muss sich aber dem Spannungsbogen beugen und darf erst im letzten Drittel losrennen. THE SHELL CORPORATION wissen ihr Können in Bezug auf Dynamiken auszuspielen und kreieren Songs, die einerseits zum mehrfachen Hören bestimmt sind, auf der anderen Seite aber auch sofort hängenbleiben.

Alte Rise Against (zu Fat Wreck Chords-Zeiten) höre ich ebenfalls ab und an durch ('All Down To Me' oder 'One Last Thing'), dann wieder Against Me! ('They Live') oder 1208 ('Fighting For') bzw. Osker ('Cold Reason'). Die Vergleiche sollen aufzeigen, wie vielfältig THE SHELL CORPORATION auf ihrem Album den Punkrock definieren und sich ihren Weg in Richtung Eigenständigkeit erkämpfen. Mit Erfolg würde ich behaupten, denn ich habe in diesem Jahr noch kein spannenderes Genre-Album hören dürfen.

"Fucked" wirkt wie aus einem Guss und wird in meiner persönlichen Jahres-Bestenliste auftauchen. THE SHELL CORPORATION sollte man im Auge behalten - in Herz und Ohr sind sie jedenfalls fest verankert.

Album-VÖ: 02.03.2018