(Epitaph Records/ Indigo)

Epitaph Records haben sich einer der heissgehandelsten Bands unter den Nagel gerissen. Seit das aus L.A. stammende Trio TEENAGE WRIST auf der musikalischen Landkarte aufgetaucht ist, wurde ein großes Bohei um die baldige Veröffentlichung des Debüts gemacht. Nun erscheint "Chrome Neon Jesus" also auf einem (im weitesten Sinne) Punkrock-Label. Obwohl TEENAGE WRIST nicht direkt dem 3-Akkorde-Genre angehören, passt die Plattenfirmen-Wahl wie die Faust auf's Auge. Epitaph ist so groß, um der Band alle promotechnischen Dinge abzunehmen und sie weltweit zu vermarkten, sind aber dennoch klein genug, um ihre unter Vertrag stehenden Bands ernst zu nehmen und individuell zu behandeln.

Wenn man Schubladen braucht, um den Stil von TEENAGE WRIST einzuordnen, bietet sich Shoegaze/Dreampop-Indie an. Hört man die Songs von "Chrome Neon Jesus" bewusst und konzentriert, entdeckt man wunderschöne Melodieflächen, die durch den getragenen, fast schwebenden Gesang wunderbar begleitet werden. Man sollte nicht den Fehler begehen und das Album nebenbei laufen lassen, denn dann dürfte der Ersteindruck "langweilig" und "gleichförmig" lauten. Klar sind im ersten Moment die Ansätze ähnlich, aber durch verschiedene Dynamiken innerhalb der Tracks entstehen Spannungsbögen, denen man sich schwer entziehen kann. Haben dich TEENAGE WRIST einmal am Haken, gerät's du in einen Sog, aus dem man sich nicht mehr befreien mag. Man fühlt sich gefangen und möchte nicht entkommen - hier wird das Stockholm-Syndrom auf eine ganz neue Ebene gehoben. 🙂

Es macht in meinen Augen keinen Sinn, einzelne Tracks herauszupicken, denn das Album funktioniert nur als Ganzes - ist in sich geschlossen und hat eine immens starke Erzählstruktur. Die bisher veröffentlichten Tracks wie 'Swallow', 'Dweeb' und 'Stoned, Alone' geben einen hervorragenden Eindruck - also schaut bei Youtube oder Spotify vorbei und lasst euch entführen.

Teenage_Wrist_Photo_by_Dan_Monick

Teenage Wrist Photo by Dan Monick

Für Fans von Nothing, Swervedriver, Whirr oder Amusement Parks On Fire dürfte "Chrome Neon Jesus" ein sicheres Ding sein. Und ich würde mir wünschen, dass aufgeschlossene Menschen den Blick (bzw. das Ohr) riskieren, um TEENAGE WRIST die Möglichkeit zu geben, ihren Zauber zu entfalten.

Album-VÖ: 09.03.2018